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Yoga-Rebellin Tara Stiles im Interview: „Authentisch sein ist das Beste, was du tun kannst!“

Ehrlich gesagt habe ich mich ein wenig gesträubt, als ich die Einladung zu einem Workshop mit Tara Stiles zur Eröffnungsfeier von ReLevel in Köln erhielt. Wenn so ein Hype um einen Yogalehrer gemacht wird, kann ich mich nicht dagegen wehren mich zu fragen, ob wirklich der Yogalehrer so gut ist oder doch der Marketing-Berater. Aber meine Neugier war stärker.

Zum Glück!

Zusammen mit Martin (du kennst ihn aus dem Artikel: Aleppo-Seife, ein Typ der am Putzmittel schnüffelt & die Traumjägerin) und meinen Erwartungen machte ich mich also auf den Weg nach Köln. Ich weiß man soll keine Vorurteile haben und so, aber was ich erwartete war das, was man eben von einer ehemaligen Balletttänzerin mit darauffolgender Modelkarriere und aktuellem Yoga-Star-Dasein erwartet. Oder erwarte nur ich da bestimmte Dinge?

Egal. Ich wurde überrascht und eines besseren belehrt.

Keine 2 Minuten nach unserer Ankunft begrüßte uns Tara. Sie nahm uns in Empfang, war greifbar, herzlich und kümmerte sich. Von da an fühlte sie sich an wie meine Yogalehrerin für die nächsten Stunden, nicht wie der Star des Tages. Sie schaffte es, dass ich vergaß bei einem Event zu sein, welches sie in den Mittelpunkt stellte. Stattdessen fühlte ich mich wie in einer ganz normalen Yogastunde, in der die Aufmerksamkeit den Schülern gilt. Und auch beim Interview danach überraschte sie mich – wie wir da im Yogaraum auf dem Boden saßen und rumwitzelten – mit ihrer Natürlichkeit, ihrer dunklen Stimme und ihrem einprägsamen lauten Lachen.

Ich will nicht sagen, dass ich ab jetzt jedem Yogaleher-Hype positiv gegenüber stehe. Aber ich will sagen, dass ich ihn bei Tara Stiles verstehe!

Yoga-Rebellin Tara Stiles

Tara Stiles hat nach ihrer Tänzerausbildung und Modelkarriere begonnen Yoga zu unterrichten und wurde mit ihrem ganz eigenen Stil sehr schnell sehr erfolgreich. Daraufhin gründete sie in New York ihre eigene Schule Stralayoga, in welcher sie ihren Stil nicht nur an Schüler sondern auch an angehende Yogalehrer weitergibt. Außerdem ist sie das Gesicht von Reebok, Autorin von bisher vier Büchern, leitet ihren eigenen Youtube-Kanal mit Yogavideos und tourt für Workshops rund um die Welt.

Stralayoga zeichnet sich dadurch aus, dass er undogmatisch und sportlich anmutet. Sanskrit, Räucherstäbchen und Chakren haben hier keinen Platz. Manche werfen Tara Stiles vor, dass das nichts mehr mit Spiritualität zu tun hat, sondern nur noch Sport ist (ich auch bis vor Kurzem). Aber nach dem Seminar und dem Lesen ihres Buches, glaube ich, dass sie missverstanden wird. In einem Interview mit racked antwortete sie auf die Frage, wie sie mit solcher Kritik umgeht wie folgt:

„Talking about spirituality does not make you spiritual.“

Sie unterrichtet Asanas, Pranayama & Meditation und schafft Klarheit und Leichtigkeit dadurch, das Beiwerk und Gerede drum herum wegzulassen, mit dem Ziel ihre Schüler zurück zu ihrer eigenen Intuition zu führen. Das ist für mich Yoga. Sie möchte nur den Raum lassen, dass jeder – wie sie in ihrem aktuellen Buch „Dein Yoga, deine Leben“ anregt –  seinen eigenen Yogaweg findet.

Tara Stiles im Interview

Wir sprachen mit Tara über ihre erfolgreiche Karriere und fragten sie, welche Tipps sie für angehende Yogalehrer hat. Viel Spaß beim Lesen!

Hallo Tara, erst mal vielen Dank für die wundervolle Yogastunde! Auf Oh My Yogi möchten wir angehende Yogalehrer unterstützen, ihr eigenes Ding zu machen. Du bist eine sehr erfolgreiche Yogalehrerin, dein Bekanntheitsgrad wächst stetig und das, obwohl dein Unterrichtsstil ziemlich unkonventionell ist. Was denkst du, ist das Geheimnis deines Erfolges?

Ich denke nicht, dass es um den Erfolg geht. Viel mehr glaube ich, dass dies alles aus meiner Absicht entstanden ist, den Menschen helfen zu wollen. Und darum geht es beim Unterrichten wirklich: Den Menschen zu helfen mit ihren Bemühungen weiter zu kommen und die Bewegungen mit immer mehr Leichtigkeit ausführen zu können.

„Mache einfach was du liebst und sorge dich nicht, dann wird sich alles ergeben.“

Am besten ist es, dich dem ständig fließenden Prozess anzuvertrauen, anstatt darüber nachzudenken, welche Partnerschaft du eingehen möchtest und was du noch alles zu tun hast, um erfolgreich zu werden. Es ist nämlich so, dass die Dinge einfach geschehen, solange der Kerngedanke wirklich gut und wertvoll ist. Es gibt eine Menge Menschen, die mit mir zusammen arbeiten möchten. Und es ist wirklich einfach zu wissen, was Sinn macht und was nicht, wenn du die Stimmung deiner Yogaklassen kennst und wie du dich dabei fühlen möchtest.

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Dieser Ort hier zum Beispiel ist ein großartiger Ort (ReLevel Köln). Ich hatte von Anfang an ein gutes Gefühl und es machte Sinn, denn ich entdecke gerne neue Orte und Menschen, sammle neue Eindrücke und spüre die Schwingungen. Sie kamen vor der Eröffnung zu mir nach New York, schauten sich an was ich machte und sagten mir, dass sie etwas ähnliches in Deutschland machen möchten.

Mein Geheimnis ist wohl, sich einfach dem Prozess anzuvertrauen und alles auf sich zukommen zu lassen. Und es geht nicht wirklich darum erfolgreich zu sein, sondern darum bei seinen Absichten zu bleiben. Mache einfach was du liebst und sorge dich nicht, dann wird sich alles ergeben.

Es hört sich seltsam an, aber wie du weißt haben viele Yogalehrer mit dem Stress der Selbstständigkeit zu kämpfen. Du bist gleichzeitig Yogalehrerin, Autorin, Model, Designerin und machst Youtube-Videos mit denen du viele Menschen erreichst. Wie vereinst du all diese Aufgaben miteinander? Und was (außer Yoga) machst du, um dich von deinem Berufsalltag zu entspannen.

Was ich tue macht mir Spaß und geht mir leicht von der Hand. Ich habe mich noch nie super gestresst und nahe dem Burnout gefühlt. Das habe ich bestimmt nie erlebt, weil ich mir einfach keine Dinge aussuche, die anstrengend sind oder überhaupt keinen Spaß machen. Ich fühle mich einfach als würde ich Spaß haben.

„Ich glaube, ich bin nie richtig erwachsen geworden.“

Mich selbst zu kennen und zu wissen, wo meine eigenen körperlichen Grenzen sind, macht es viel leichter. Wenn ich müde werde, dann gehe ich schlafen. Und wenn ich hungrig bin, dann esse ich eine Banane. Sich um sich selbst zu kümmern, das ist wohl das wichtigste. Spüre öfter in dich hinein und frage dich, wie du dich fühlst. Und wenn du merkst du machst zu viel, dann ruhe dich ein wenig aus. Wenn du zu viele Dinge auf einmal machst, wird eh nichts davon gut. Es geht also darum, dir Zeit zum Entspannen einzuräumen.

Mein Hotel hier in Köln zum Beispiel hat eine riesige Badewanne, also habe ich schon drei Bäder genommen seitdem ich hier bin. Ich bin wie ein kleines Kind, ich setze mich in die Wanne und spritze herum. Ich glaube, ich bin nie richtig erwachsen geworden. Das Zimmer hat auch eine große Couch, aber ich setze mich nie drauf, ich setzte mich nur auf den Boden, weil es sich für mich einfach erholender anfühlt.

Wenn du eine Sache in deiner Karriere hättest anders machen können. Was würde das sein?

Das ist schwer, denn ich fühle mich immer noch als hätte ich gerade erst begonnen. Aber da ist ein Fehler den ich fast gemacht hätte. Ich bin eine Partnerschaft mit einer riesigen Fitnessstudio-Kette eingegangen. Sie wollten Stralayoga innerhalb von drei Monaten in 500 Studios etablieren. Das war total verrückt. Ich glaube, es wäre sehr schwierig gewesen mich wirklich um die Yogalehrer zu kümmern und sicher zu gehen, dass sie alle die richtigen Fertigkeiten haben, die Yogaklassen anleiten können und sich wohl dabei fühlen.

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Aber damals waren sie alle verrückt danach und verstanden mich nicht: „Was meinst du? Das ist so viel Geld!“ Und ich dachte nur, dass mich das Geld nicht interessiert, es war doch alles gut. Ich hatte ein Dach über meinem Kopf und alles lief. Ich hatte schon damals ein Business und ein Team in New York, welches ich zuverlässig bezahlen musste. DAS war mir wichtig! Aber ansonsten bin ich wirklich konservativ und sparsam was Geld angeht. Und was soll ich sagen, fast alle meine Anziehsachen bekomme ich geschenkt, ich brauche nicht viel. (Tara lacht laut und schelmisch.)

Das war wohl ein Fehler, den ich zum Glück nur beinahe gemacht hätte, aber ich habe daraus gelernt! Auch wenn jeder mir sagt, ich sollte etwas bestimmtes tun, ich mich aber nicht wohl damit fühle, dann mache ich es nicht.

Du hast deinen eigenen Yogastil „Stralayoga“ gegründet und sagst, dass jeder seinen eigenen Weg, seine eigenen Regeln finden sollte. Welchen Ratschlag hast du für Yogalehrer, wie sie ihren eigenen authentischen Unterrichtsstil finden können?

Hier in Deutschland ist das glaube ich gar nicht so das Problem, aber in den USA. Dort will heutzutage jeder das große Ding machen. Da ist so viel Druck dabei und jeder will sich von allen anderen abheben. Aber ich denke, authentisch sein – egal was für eine Klasse du leitest – ist das Beste was du tun kannst.

Ich kenne viele junge Yogalehrer in New York, die viele verschiedene Dinge neben Stralayoga machen, weil sie versuchen jede Unterrichtsstunde neu zu erfinden. Sie haben eine neue Playlist, ein neues Thema und neue Dinge über die sie reden. Jedesmal! Sie stressen sich und brennen aus. Ich denke dass es wichtig ist, die Dinge wirklich einfach zu halten. Es geht um die Absicht und nicht um die Raffiniertheit. Das nimmt den Druck von den Lehrern und den Schülern. Denn wenn du es wirklich schlicht und einfach hältst, können die Schüler dich sehen wie du wirklich bist und sich mit dir verbinden, anstatt dass sie sich mit irgendeiner komplizierten Übungsabfolge oder einer schwierigen Haltung, die du versuchst allen zu zeigen, verbinden.

„Authentisch sein ist das Beste, was du tun kannst.“

Im Yoga geht es – offensichtlich – nicht um die Haltungen. Es geht darum, wie du dich fühlst. Es leicht und einfach zu halten wird dir helfen, deinen eigenen Stil und deine eigenen Regeln zu finden, weil du nicht mehr das ganze zusätzliche Zeug im Weg hast.

Zweifel gehören oft dazu, wenn man beginnt seinen eigenen Weg zu gehen. Da war ein Punkt in deinem Leben, an dem du realisiert hast, dass Modeln alleine dich nicht erfüllt und du hast dich entschieden Yogalehrerin zu werden. Gab es Zeiten, in denen du diese Entscheidung angezweifelt hast?

Nein! Ehrlich gesagt fühlte ich mich nie wirklich qualifiziert für den Model-Job. Als ich begann mit der Agentur zusammenzuarbeiten fragte ich mich ständig „Wirklich? Ich? Das kann nicht sein!“ Aber alle meine Freunde redeten mir gut zu. Ich bezahlte zwar meine Rechnungen mit diesem Job, aber ich machte mir nie einen großen Kopf um ihn, denn ich hatte immer den Gedanken im Hinterkopf, dass sie mich eh irgendwann rauswerfen würden. Viel mehr machte ich mir immer Gedanken darüber, was ich als nächstes machen wollte.

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Als ich schließlich begann, genug Geld mit dem Unterrichten von Yoga zu verdienen um meine Rechnungen zu bezahlen, fühlte ich, dass ich das Modeln nicht mehr brauchte, auch wenn ich dort zu der Zeit noch mehr verdiente. Aber es war gut so.

Es muss nicht so sein, dass du modelst und dann ist es vorbei und du bist nichts mehr wert. All diese Mädchen sind jung und reisen und sammeln einiges an Lebenserfahrung. Sie sind qualifizierter als sie denken, für alle möglichen Dinge. Mir selbst hat die ganze Modelzeit viel gebracht, besonders weil ich viele verschiedene Menschen kennengelernt habe. Manche meiner Freunde dagegen, die schon immer nur in einem einzigen Job arbeiten, hatten nicht die Chance solche Lebenserfahrungen zu sammeln. Trotzdem liebe ich meinen jetzigen Job als Yogalehrerin, es ist ein großes Unternehmen geworden und macht Spaß. Es macht Spaß meinen Kopf zu benutzen! (Wieder kann Tara sich das Lachen nicht verkneifen.)

Danke Tara!

Der Workshop mit Tara und das Interview haben wirklich Spaß gemacht. Es war sehr locker und wir haben viel gelacht. Zwischendurch brachte man Tara etwas frisches Obst. Sie reichte es uns rüber und sagte: „As you know, sharing is caring.“ Und genau so habe ich sie in Erinnerung behalten!

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Weiterführende Links

Yoga-Rebellin Tara Stiles im Interview:
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Hi, ich bin Betty, Yogalehrerin, Bloggerin, Reiseleiterin und die Gründerin von Oh My Yogi. Im Jahr 2000 entdeckte ich Yoga für mich und stand meine halbe Jugend lang auf dem Kopf, bevor ich elf Jahre später begann von meiner Leidenschaft zu leben und mich in die Freiheit der Selbstständigkeit zu verlieben. Hier zeige ich dir, wie du Yoga mit Herz lebst und authentisch unterrichtest. Frei und spirituell, geerdet und echt - ganz so, wie es dich glücklich macht.

8 Kommentare

  1. Hey Bettina!

    Tolles Interview! =)

    Hatte schon gehofft, dass es in Video-Form ist – da bekommt man dann noch mehr von dir und deinem Gesprächspartner mit. Aber auch so echt inspirierend.

    Lg, Ben

  2. Martina sagt

    Superinterview ! Das Buch von Tara heißt allerdings : Dein Yoga, dein Leben .-)
    L.G. Martina

  3. Astrid sagt

    Huhu! Ich habe Dich für den „Liebster Blog Award“ nominiert und würde mich freuen wenn Du mitmachst! :-)

  4. Bettina, Knaller-Interview. Mag ich sehr! Mir ging’s genauso wie dir. Schon spannend, wie man immer wieder über seine eigenen Vorurteile stolpert. Ich finde Tara inzwischen auch echt super und freu mich schon, bald mal mit ihr zu üben.

    Xxx
    Rebecca

    • Hey Rebecca, freut mich sehr, dass es dir gefällt!
      Ja, der Workshop war quasi ein Lehrstunde in Sachen Vorurteile. Auf die Stunde mit ihr kannst du dich auf jeden Fall freuen!

      Bis bald!
      Bettina

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