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Yoga im Auto? Warum das eine großartige Idee ist und was es uns lehrt.

Yoga im Auto? Warum das eine großartige Idee ist und was es uns lehrt.

Das Auto ist ein toller Ort, um Yoga zu üben. Ja, echt. Ich meine natürlich keine Asanas! Nimm bitte nicht den halben Lotussitz im Auto ein, wenn du am Steuer sitzt. Aber wenn du vorhast, deine Yogapraxis von der Matte ins Leben zu bringen, ist das Auto ein guter Ort zum Starten.

Yoga im Auto: Sei im Hier und Jetzt.

Beim Autofahren können wir sehr vieles von dem an uns selbst beobachten, worüber beim Yoga so viel geredet wird. Zunächst einmal fällt mir immer wieder auf, dass wir total automatisiert Auto fahren. Wer fährt schon wirklich bewusst von A nach B? Wir fahren und während wir das Lenkrad in den Händen halten, sind wir mit den Gedanken schon an dem Ort, an den uns das Auto bringen soll, oder an dem, den wir gerade verlassen.

Eine Freundin erzählte mir kürzlich, wie oft sie nach der Arbeit eigentlich zum Supermarkt fahren wolle und sich dann plötzlich zu Hause vor der eigenen Garage wiederfände. „Der Supermarkt war dann einfach nicht auf dem Weg meines Autos.“ Ich gebe zu, dass mir schon ähnliches passiert ist. Eine andere Freundin von mir sagt, sie habe manchmal richtige Blackouts am Steuer. „Ich kann mich dann, wenn ich da angekommen bin, wo ich hinfahren wollte, gar nicht mehr erinnern, wie ich eigentlich hingekommen bin. Wie bin ich über die Ampel gefahren, war das jetzt eigentlich gefährlich oder hatte ich wirklich alles im Griff oder besser gesagt, im Blick…?“, sagt sie.

Wir sitzen am Steuer, fahren und landen irgendwo. Automatisiert. Unbewusst. Bähm! Wie war das noch mal mit der Yogapraxis???!!! Im Hier und Jetzt, ganz versunken in das was wir tun, sind wir beim Autofahren, sei mal ehrlich, wirklich selten. Dabei würde das viele Unfälle verhindern.

Yoga im Auto: Entspann dich.

Und noch etwas kann ich während dem Autofahren gut beobachten: Viele Jahre lang konnte ich an mir selbst immer wieder feststellen, wie leicht ich mich im Auto stressen lies. Da konnte ich noch so entspannt aus einer Stunde Hot Yoga kommen, ein paar Minuten am Steuer und schon war die Entspannung wie verflogen.

Wie herrlich konnte ich mich über sieben verlorene Sekunden ereifern, wenn der Fahrer vor mir trödelte. Wie oft habe ich andere Autofahrer schon beschimpft ohne sie zu kennen. Mittlerweile bin ich ruhiger geworden. Ich habe eingesehen, dass mein Leben zu kostbar ist, um sich über so etwas wie andere Autofahrer aufzuregen. Klar, wenn mich jemand bewusst in Gefahr bringt, macht mich das immer noch wütend. Vor allem, seit Kinder zu meiner kostbaren Fracht gehören.

Aber vielleicht hat derjenige, der den Fahrfehler gemacht hat, auch wirklich einen richtigen Scheiß-Tag gerade. Vielleicht fährt jemand besonders langsam, weil er wie ich, eine so kostbare Fracht, nämlich kleine Kinder transportiert. Das macht einen irgendwie vorsichtiger. Oder vielleicht hat er aber auch schreiende Kinder dabei, deswegen ist er so ungeduldig…. Ich habe eingesehen, dass jeder Mensch etwas auf seiner Liste hat, jeder hat mal einen schlechten Tag. Deswegen rege ich mich nicht mehr auf.

Ich mache mir auch schon lange nichts mehr daraus, wenn andere Fahrer mich beschimpfen, hinter mir drängeln, mich links überholen, noch schnell ganz kurz vor der Ampel an mir vorbeirasen. Oder wenn jemand mal wieder meint, obwohl er das Hindernis im Weg hat, sei er befugt, zuerst zu fahren und mich warten zu lassen. Seit ich mich mehr mit Yogaphilosophie beschäftige, versuche ich, ruhig zu bleiben.

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Yoga im Auto: Was ist wirklich wichtig?

Seit ich wieder in Deutschland lebe, also seit Herbst 2016, ist mir aber etwas aufgefallen, das mich traurig macht. Ich habe den Eindruck, das Auto verleiht Menschen eine Hülle, in der sie sich sicher und unantastbar fühlen. Wer am Steuer sitzt, scheint zu glauben, wichtiger als alle anderen am Steuer sitzenden zu sein und vor allem: Immer im Recht.

Mir ist das zuerst in den USA aufgefallen. Ich war ehrlich gesagt erschüttert über die zum Teil wirklich rücksichtslose Fahrweise der Amerikaner. In den USA ist mir zum ersten Mal aufgefallen, dass es offenbar aus der Mode gekommen ist, sich bei den anderen Fahrern zu bedanken. Und die Vorfahrt wurde mir am Tag gefühlte 100 Mal genommen. Um so erschreckender war für mich dann die Tatsache, dass das Fahrverhalten der Deutschen nicht anders ist.

Alle haben es total eilig und vergessen dabei, dass im Vergleich dazu, jemanden oder sich selbst zu verletzen oder – noch schlimmer – sogar zu töten, jeder Termin – so wichtig er noch sein mag – total an Relevanz verliert. 30 Sekunden, die wir auf dem Weg irgendwohin vielleicht gewinnen, sind am Ende total wertlos wenn wir dadurch Leben gefährdet haben. Und deswegen würde ich es mir wünschen, wenn mehr Menschen im Auto Yoga üben würden.

 

Vielleicht versuchst du es heute ja auch einmal.

Tine

Yoga im Auto? Warum das eine großartige Idee ist und was es uns lehrt.
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Hi, ich bin Tine, Yogalehrerin, Sportwissenschaftlerin und Autorin des Buches Yoga ist ein Arschloch. Ich unterrichte Poweryoga und bin seit April 2015 als „Therapeutic Yoga Teacher“ registriert. Verheiratet mit einem zweimaligen Olympiateilnehmer im Hammerwerfen, bin ich der Meinung, dass Kniebeugen ebenso wichtig sind, wie eine regelmässige Yogapraxis. Seit neuestem lebe ich mit meiner Familie in Hamburg.

4 Kommentare

  1. Melanie sagt

    Toller Artikel!
    Ich war auch immer eher ungeduldig beim Auto fahren. Mittlerweile bin ich aber seit einem Jahr Berufspendler und sitze täglich zwei Stunden im dicksten Verkehr im Auto.
    Ich erlebe täglich wie gestresst die Menschen im Verkehr sind und welche egoistische Fahrweise sie teilweise am den Tag legen. Da vergeht kein Tag ohne Drängler.
    Ich muss wirklich sagen,dass ich das ganze mit so einer Einstellung nicht auf Dauer durchhalten würde. Natürlich ärgere ich mich wenn ich im Stau stehe total, aber grade im normalen Verkehr denke ich mir mittlerweile nurnoch „ich komme einfach dann an wenn ich ankomme!“. Ob das 5 Minuten früher oder später ist, ist mir herzlich egal. Ich denke dabei hat mir Yoga auch die nötige Gelassenheit gegeben wenn es stressig wird einfach mal tief durchzuatmen :)

    An der Sache mit der Achtsamkeit arbeite ich auch noch. Wenn man jeden Tag die gleiche Strecke fährt ist das ganze einfach sehr eintönig. Am besten gelingt mir das ganze wenn ich während der Fahrt wunderschöne Sonnenauf- oder untergänge beobachten kann, da genieße ich einfach dem Moment.

    Liebe Grüße
    Melanie

    • Liebe Melanie, danke für deinen Kommentar und dass du deine Erfahrungen mit uns teilst. Zwei Stunden ist wirklich viel Zeit und deine Einstellung ist super. Ich wünsche dir weniger Drängler auf deiner Strecke und viele wunderschöne Sonnenauf- und -untergänge! Pass schön auf dich auf!!

  2. Huhu. Ich lese gerade dein Buch Yoga ist ein Arschloch und finde es wunderbar. danke dafür… und toller und interessanter Post danke. lg die Miri

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