Auf der Matte, Lebensstil
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Vollzeit-Yogi: 48 Fragen für mehr Yoga im Alltag

Yoga im Alltag

Du findest nicht immer die Zeit, dich still auf deine Yoga-Matte zurückzuziehen? Um auch im Alltag ein entspannter Yogi zu sein, solltest du dir diese 48 Fragen unbedingt stellen.

Das Stichwort dazu sind die Yamas und Niyamas.

Die 10 Vorschläge von Patanjali, wie ein Yogi mit sich selbst und der Umwelt umzugehen hat.

Wer Patanjali war, darum streiten sich die Geister. Fest aber steht, dass sein Werk – das Yogasutra – zu den bedeutendsten Schriften des Yoga gehört, welche zwischen 200 v. Chr und 200 n. Chr. entstanden und auf Sanskrit verfasst ist. Ein Sutra ist immer ein Text, welcher in sehr komprimierter Form tiefgründiges Wissen vermitteln möchte. Und so geben auch die folgenden 10 Wege für ein yogisches Leben aus dem Yogasutra klare Anweisungen und hinterlassen gleichzeitig viel Interpretations-Spielraum.

Gerade deswegen ist es wichtig, jedem Sutra seine Zeit zu geben:

Es ist gewollt, dass jeder Mensch das transportierte Wissen von seinem Blickpunkt aus beleuchtet. Nicht einfach vorgegebenen Regeln folgt, sondern aus Erfahrung, Einsicht und Weisheit handelt.

Yeah, so gefällt mir das! Die Yogis wieder…

Genau aus diesem Grund werde ich dir hier keinen großen Aufsatz schreiben und dich belehren. Sondern „bloß“ Fragen stellen, welche dir bei deiner Arbeit mit dem jeweiligen Leitsatz weiterhelfen können. Nimm dir am besten Papier und Stift zur Hand und beantworte die Fragen ehrlich und mit ganz viel Zeit.

Und los gehts:

1. Ahimsa = Gewaltlosigkeit

„Ahimsa-pratisthayam tat-samnidhau vaira-tyagah.“

„Wenn man in der Gewaltlosigkeit fest gegründet ist, (schafft man eine Atmosphäre des Friedens, und) alle, die in die Nähe kommen, geben die Feindschaft auf.“

Patanjali, Sutra II.35

Bist du rücksichtsvoll mit anderen Menschen? – Körperlich wie Seelisch?

Gehst du achtsam und behutsam mit deiner Umwelt um? – Mit den Tieren und Pflanzen?

Bist du liebevoll zu dir? – In Taten und Gedanken?

Kannst du dich entspannen? – Kannst du dich von Perfektionismus und Schuldgefühlen frei sprechen?

Was kannst du tun um Ahimsa (die Gewaltlosigkeit) in dein Leben zu holen?

Oh my Yogi Style

2. Satya = Wahrhaftigkeit

„Satya-pratisthayam kriya-phala-asrayatvam.“

„Wenn man in der Wahrhaftigkeit fest gegründet ist, schafft man eine Grundlage für die Reifung der Taten.“

Patanjali, Sutra II.36

Bist du ehrlich in deinen Worten?

Bist du zufrieden mit dir, ganz so wie du bist?

Fühlst du dich wohl in deiner Haut? – Oder hast du manchmal das Gefühl du verstellt dich? – Warum?

Lebst du so wie du leben möchtest?

Was kannst du tun um wahrhaftiger zu sein?

3. Asteya = Nicht-Stehlen (mit dem zufrieden sein, was man hat)

„Asteya-pratisthayam sarva-ratna-upasthanam.“

„Wenn man im Nicht-Stehlen fest gegründet ist, kommen einem alle Schätze von selbst zu.“

Patanjali, Sutra II.37

Bist du zufrieden, mit dem was du hast? – Wirklich?

In welchen Momenten bist du völlig Eins mit dir selbst?

Bist du neidisch? – Worauf?

Was kannst du tun, um deine Unsicherheit in innere Sicherheit zu verwandeln? – Nur mit dem was du jetzt hast und bist!

4. Brahmacarya = reiner Lebenswandel (Leben im Einklang mit der Umwelt)

„Brahmacarya-pratisthayam virya-labhah.“

„Wenn man im reinen Lebenswandel fest gegründet ist, erlangt man große Kraft.“

Patanjali, Sutra II.38

Wie Umweltbewusst lebst du?

Was kannst du besser machen?

Wie gut bist du zu deinem Körper?

Was kannst du noch für ihn tun?

Wenn du wüsstest du setzt morgen ein Kind in diese Welt, was würdest du ändern?

Warum änderst du das nicht für dich?

5. Aparigraha = Nicht-Besitzergreifen

„Aparigraha-sthairye janma-kathamta-sambodhah.“

„Wenn man im Nicht-Besitzergreifen fest gegründet ist, erkennt man das Wesen des Lebens.“

Patanjali, Sutra II.39

Lebst du sicherer weil du besitzt?

Wirst du mehr geliebt weil du besitzt?

Was besitzt du?

Kannst du überhaupt besitzen? – Dinge, Tiere, Menschen?

Was passiert wenn du alles loslässt?

6. Sauca = innere Reinheit

„Saucat sva-anga-jugupsa parair asamsargah.“

„Aus der Übung der Reinheit entsteht eine Abneigung gegen den eigenen Körper und gegen die Berührung mit anderen Körpern.“

Patanjali, Sutra II.40

Eine kurze Anmerkung zu diesem (doch meist verstörenden) Satz. Aus moderner Sicht sind die gesammelten Umweltgifte im Körper gemeint, sowie seelischer Ballast aus der Vergangenheit.

„Sattvasuddhi-saumanasya-ekagrata-indriyajaya-atmadarsana-yogyatvani ca.“

„Sie führt auch zu innerer Reinheit, Güte, Konzentration, Beherrschung der Sinne und macht einen fähig zur Schau des eigenen Selbst.“

Patanjali, Sutra II.41

Was gibst du deinem Körper, das er nicht verdient hat?

Warum gibst du ihm das?

Was kannst du für deinen Körper tun um dich innerlich reiner zu fühlen?

Wo reagierst du heute unpassend, weil du in der Vergangenheit schlechte Erfahrungen gemacht hast?

Lebst du noch schutzlos und mit offenem Herzen wie ein kleines Kind?

Was bringt dir dein Nicht-Vertrauen? – Außer Sicherheit, die es nicht gibt!

Welchen vergangenen Schmerz möchtest du noch heute loslassen?

7. Samtosa = Innere Ruhe

„Samtosad anuttamah sukhalabhah.“

„Aufgrund der inneren Ruhe erlangt man unübertreffliche Freude.“

Patanjali, Sutra II.42

Wofür bist du dankbar?

Wann warst du das letzte Mal wirklich zufrieden und innerlich ruhig?

Was hält dich davon ab es jetzt auch zu sein?

8. Tapah = Askese

„Kaya-indriya-siddhir asuddhi-ksayat tapasah.“

„Die Askese führt zur Beherrschung von Körper und Sinnen, weil die Unreinheiten beseitigt werden.“

Patanjali, Sutra II.43

In welchem Bereich deines Lebens lebst du im Übermaß?

Warum tust du das?

Was würde sich verändern wenn du dich dort ein wenig zügelst?

Bist du abhängig? – Hast du dich zum Sklaven dieser Sache gemacht?

9. Svadhyaya = eigenes Studium

„Svadhyayad ista-devata-samprayogah.“

„Durch eigenes Studium entsteht eine Verbindung mit der erwählten Gottheit.“

Patanjali, Sutra II.44

Wer bist du?

Kannst du dich beschreiben ohne deinen Namen, dein Aussehen oder deinen Job zu erwähnen?

Was bist du?

Kannst du dich beschreiben ohne überhaupt irgendetwas zu erwähnen was in der sichtbaren Welt stattfindet?

10. Isvarapranidhana = Hingabe an Gott

 „Samadhi-siddhir isvarapranidhanat.“

„Durch Hingabe an Gott erlangt man vollkommene Versenkung.“

Patanjali, Sutra II.45

Wer oder was ist Gott für dich?

Kannst du dir vorstellen, dass Gott überall ist?

Was würdest du anders machen wenn du wüsstest dass Gott überall ist?

Kannst du dir vorstellen, dass Gott auch in dir ist?

Wie würdest du dich selbst behandeln wenn du wüsstest dass Gott in dir ist?

 

Sei es dir wert!

Und beantworte dir diese Fragen mit ganz viel Zeit, Ehrlichkeit und Selbstliebe!

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Bildquelle: Flickr, daniel sandoval

Kategorie: Auf der Matte, Lebensstil

von

Hi, ich bin Betty, Yogalehrerin, Bloggerin, Reiseleiterin und die Gründerin von Oh My Yogi. Im Jahr 2000 entdeckte ich Yoga für mich und stand meine halbe Jugend lang auf dem Kopf, bevor ich elf Jahre später begann von meiner Leidenschaft zu leben und mich in die Freiheit der Selbstständigkeit zu verlieben. Hier zeige ich dir, wie du Yoga mit Herz lebst und authentisch unterrichtest. Frei und spirituell, geerdet und echt - ganz so, wie es dich glücklich macht.

9 Kommentare

  1. Martina sagt

    Habe mir für diesen Text Zeit gelassen und noch einige „Baustellen“ bei mir gefunden. Vieles versuche ich schon seit längerer Zeit umzusetzen ;-),bei anderen Dingen klappt es nicht immer……Danke auf jeden Fall für diesen super Bericht. Werde wohl noch einige Zeit damit verbringen…..

  2. Jochen sagt

    Vielen Dank für die Fragen, da ist beim ersten Mal durchlesen einiges dabei was mir auf Anhieb als Baustelle bei mir auffällt.
    Werde mir die Zeilen mit in den Urlaub nehmen um darüber in Ruhe nachdenken zu können.

    • Hallo Jochen,

      das finde ich aber schön, dass die Fragen dich mit in den Urlaub begleiten! Ich empfehle dir deine Gedanken auch nieder zu schreiben. Das bringt ganz viel Klarheit.

      Liebe Grüße
      Bettina

  3. ganapati sagt

    welch ein Zufall, ( ich weiß Zufälle gibt es nicht)…
    Ein toller Text, sehr gute Fragen die mich gut mit den Yamas und Niyams umgehen lassen… Ich beschäftige mich gerade im Zuge meiner Yogatherapie Ausbildung mit „Ihnen“. Ich werde mich auch weiterhin mit ihnen beschäftigen und schauen wo noch etwas verändert werden kann. Nach und Nach…
    Schritt für Schritt…
    Danke für deinen tollen Blog der mir sehr gut gefällt, mich immer wieder inspiriert und mich Dinge finden lässt, die mir sehr Nahe kommen.

    • Hallo liebe Ganapati,

      danke dass du immer wieder vorbeischaust!
      Ich wünsche dir alles Gute für deine Ausbildung, eine aufregende Zeit.

      Liebe Grüße
      Bettina

  4. Hey Bettina,

    ein inspirierender Beitrag, Um die Fragen zu beantworten, muss man wirklich sehr ehrlich zu sich sein. Und somit finde ich diese Aussage zum Schluss „Sei es dir wert!“ ganz ganz ganz wichtig.

    Dein Blog ist ein richtiger Schatz!

    Liebe Grüße
    Afschin

    • Danke lieber Afschin,

      das kann ich nur zurück geben. Ich bin sehr gerne auf deinem Blog unterwegs. Danke für die Bereicherung.

      Liebe Grüße
      Bettina

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