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Die Deutschen und das Wetter – eine wunderbare Yogaübung

Die Deutschen und das Wetter - eine wunderbare Yogaübung | Vielleicht erinnerst du dich noch an Xavier. Sturmtief Xavier hat schon einen Eintrag in Wikipedia. Er kam schnell und heftig, für die meisten irgendwie unerwartet und er riss uns Erste-Welt-Land-Bewohner ganz gehörig aus unserer Komfortzone. Er hat einmal mehr deutlich gemacht, wie wenig wir im Griff haben und am allermeisten hat er gezeigt, wie wenig wir uns selbst im Griff haben.

Vielleicht erinnerst du dich noch an Xavier. Sturmtief Xavier hat schon einen Eintrag in Wikipedia. Er kam schnell und heftig, für die meisten irgendwie unerwartet und er riss uns Erste-Welt-Land-Bewohner ganz gehörig aus unserer Komfortzone. Er hat einmal mehr deutlich gemacht, wie wenig wir im Griff haben und am allermeisten hat er gezeigt, wie wenig wir uns selbst im Griff haben.

Ja, auch ich war überrannt.

Ich steckte in der U-Bahn fest, die nicht mehr weiterfuhr, weil mehrere Bäume auf die Schienen gefallen waren. Komischerweise denkt der (deutsche) Mensch nicht zuerst daran, wie dankbar er sein kann, dass die Bahn vor und nicht unter dem Baum zu stoppen gekommen ist. Im Gegenteil. Ich war ein wenig in Sorge, dass ich es nicht rechtzeitig schaffen würde, meine Tochter aus der Kita abzuholen. Und nervös wurde ich, als ich feststellte, dass mein Mobiltelefon nach dem Ladekabel schrie. Es schaltete sich selbst aus, bevor ich meinen Mann oder die Kita hätte informieren können, dass ich unter Umständen zu spät kommen würde. Im ersten Moment habe auch ich vergessen, dass im Vergleich dazu weitaus Schlimmeres passieren könnte – und dann auch ist.

Um mich herum wurden alle nervös, auch die, deren Mobiltelefone noch eingeschaltet waren.

Ich würde mal behaupten, rund 90 Prozent der Fahrgäste fingen an über die U-Bahn zu schimpfen. Wir hätten nicht mal abwarten müssen bis zu den Nachrichten am nächsten Morgen, als es dann Realität war, dass sieben Menschen ihr Leben verloren hatten wegen Xavier. Wir hätten ja auch vorher schon mal kurz an „Harvey“ und Texas oder „Maria“ und Puerto Rico denken können. Haben wir nicht.

Am Ende meiner Reise, als die Wogen sich erst mal geglättet hatten und mir klar war, dass ich wenig später mein Kind in die Arme schließen würde, kam ich am Hauptbahnhof vorbei. Die Leute waren wütend und wild. Sie schimpften auf die Deutsche Bahn, die mal wieder nicht fuhr und offensichtlich in der Katastrophe versagte. Ja klar, was hätte sie denn auch tun sollen? Flügel an die Waggons schrauben und sie über die umgestürzten Bäume fliegen lassen?

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Xavier hat uns mal wieder deutlich gemacht, wie gut es uns geht.

Im Vergleich zu anderen, die nichts dafür können, dass sie an Orten geboren wurden, an denen Naturkatastrophen immer wieder passieren können und passieren. Er hat uns deutlich gemacht, dass wir Deutschen es trotzdem schaffen uns aufzuregen, selbst über Kleinigkeiten, wie darüber, nicht rechtzeitig von A nach B zu kommen. Die Chance in Xavier hat keiner gesehen. Es sich mal gemütlich zu machen zu Hause, dankbar zu sein, dass wir Häuser haben, die nach einem Standard gebaut sind, nicht wegzufliegen, wenn es mal wild wird und dafür, dass uns kein Baum auf den Kopf gefallen ist.

Ich habe in vier verschiedenen Ländern gelebt und ich mag mein Geburtsland eigentlich sehr, doch in den letzten Wochen und Monaten hat es mich viel zum Nachdenken gebracht. Aber es gibt garantiert eine Sache, für die Deutschland echt nichts kann, und das ist das Wetter.

Ich habe schon lange festgestellt, dass es nicht viel Sinn macht, sich über das Wetter zu ärgern.Click To Tweet

Ich habe im Vergleich zu vielen anderen Hamburgern, dieses Jahr nicht als besonders grau und regnerisch wahrgenommen.

Ich habe mir im Gegenteil überlegt, wie oft ich in diesem Jahr draußen war und das war häufig. Das Wetter kann also nicht so schlecht gewesen sein. Ich weiß, seit ich in Kalifornien gelebt habe, dass es schön ist, jeden Morgen Sonnenschein zu haben, aber es ist auch unpraktisch. Für Landwirte beispielsweise. Und, ganz wichtig: Es macht auch nicht glücklicher.

Ich mag den Norden. Ich nehme ihn so wie er ist. Auch ich liebe den Sommer. Aber ich kann dem Herbst was abgewinnen. Und sogar dem Winter. Ich finde es gut, dass unsere Uhren dann (außer in den Wochen vor Weihnachten) ein klein wenig langsamer ticken und wir die Möglichkeit haben, wie Bäume, Dinge abzuwerfen, damit im Frühling wieder Neues entstehen kann. Warum ich das hier schreibe? Weil ich es sehr yogisch finde, sich mit dem Wetter anzufreunden, egal was es gerade für einen bereithält. Und weil ich es überhaupt nicht yogisch finde, sich über nicht fahrende Züge aufzuregen, wenn gerade sieben Menschen in unserem Land ihr Leben verloren haben, weil sie von Bäumen erschlagen wurden.

 

Versuchst du auch mal, zusammen mit mir weniger zu meckern? Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass das nicht leicht ist. Aber das Wetter ist ein guter Anfang, ein guter Start, um es zu üben.

Deine Tine

Die Deutschen und das Wetter - eine wunderbare Yogaübung | Vielleicht erinnerst du dich noch an Xavier. Sturmtief Xavier hat schon einen Eintrag in Wikipedia. Er kam schnell und heftig, für die meisten irgendwie unerwartet und er riss uns Erste-Welt-Land-Bewohner ganz gehörig aus unserer Komfortzone. Er hat einmal mehr deutlich gemacht, wie wenig wir im Griff haben und am allermeisten hat er gezeigt, wie wenig wir uns selbst im Griff haben.
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Hi, ich bin Tine, Yogalehrerin, Sportwissenschaftlerin und Autorin des Buches Yoga ist ein Arschloch. Ich unterrichte Poweryoga und bin seit April 2015 als „Therapeutic Yoga Teacher“ registriert. Verheiratet mit einem zweimaligen Olympiateilnehmer im Hammerwerfen, bin ich der Meinung, dass Kniebeugen ebenso wichtig sind, wie eine regelmässige Yogapraxis. Seit neuestem lebe ich mit meiner Familie in Hamburg.

3 Kommentare

  1. Charline sagt

    Einfach Danke!

    Mit den Jahren des Pendelns per Bahn habe ich es schon geschafft, mich über die ungewollte Pause zu freuen, in der das Buch, das ständig mit in der Bahn ist, weiter gelesen werden kann. Und zum anderen mich über kleine Tatsachen zu freuen, wie dass ich mit dem Zug in einem Bahnhof stehe (wenn es auch nur der kleinste ist; man könnte dann bequem in einem noch so kleinen Ort aussteigen) oder dass der Zug noch Strom bekommt und Heizen bzw. Kühlen kann.
    Danke für den Anstoß sogar noch etwas weiter zu gehen.
    Ich hoffe, ich werde mich beim nächsten Mal daran erinnern und es vielleicht auch Mitreisenden nahe bringen können.

    • Liebe Charline, danke DIR! Für diesen schönen Kommentar, Deine wunderbare Einstellung und Fähigkeit das Positive im Unvorhergesehenen zu sehen. Ich wünsche Dir ganz tolle, erholsame und angenehme Bahnfahrten und ein schönes Wochenende! Tine

  2. Richard Friedel sagt

    Marmamassage als Teil von Yoga ist nach meiner Erfahrung die richtige Behandlung für Asthma. Die m.E fragwürdige Behandlung mit Spray und Apparatemedizin ist zu prekär für die Patienten.
    Also man massiert die Oberlippe und stellt eine Entkrampfung durch Reflex (GV26 Akupunkt) der Bronchien fest. Dann wird kräftig durch die Nase eingeatmet mit genau dieser Reflexwirkung und geübt. So soll auch ein Sprayentzug gelingen.Das ist Teil des in Russland so erfolgreich eingeführten Systems der Atemübungen nach Frau A.Strelnikova (Googeln)

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