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Herbstdepression? Wie du im tiefsten November zurück zur Dankbarkeit findest

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Wie gemein unser Gehirn ist! Wir könnten uns doch jetzt erfreuen, an den tollen Herbstfarben, den goldenen, gelben, grün-braunen Blättern, an den dicken Strick-Kuschelpullovern, die wir endlich wieder tragen dürfen, den Lebkuchen, die in den Supermarktregalen stehen oder – noch besser – dem Stollen! Und wir könnten uns doch freuen über verregnete Wochenenden, an denen wir ohne schlechtes Gewissen einfach drinnen bleiben könnten und besagten Lebkuchen und Stollen bis zum Abwinken verputzen dürfen. Wir freuen uns aber nicht.

Den November finden wir einfach nur scheiße. Punkt.

Es ist der Monat der am grausten ist von allen Monaten im ganzen Jahr. Weil die Tage plötzlich so kurz sind und die Lebkuchen zwar schon in den Regalen stehen, Weihnachten aber noch so weit weg ist, dass wir uns noch nicht darauf freuen können. Die Weihnachtslichter sind noch aus und das Fest noch nicht nah genug, dass uns der Weihnachtsstress ablenken könnte vom grauen Novemberalltag. Und St. Martin, mit seinen Laternenlichtern, das ist nur so ein Pseudo-Fest für Kindergartenkinder…

Und St. Martin, mit seinen Laternenlichtern, das ist nur so ein Pseudo-Fest für Kindergartenkinder…Click To Tweet

Jedes Jahr denken wir, dass wir uns diesmal auf den November vorbereiten werden, dass er uns diesmal nicht mit voller Wucht treffen wird und dann tut er es trotzdem. Dieses Jahr war es sogar besonders schlimm. Die Vorbereitungszeit war viel zu kurz. Weil im September noch 30 Grad waren. Wie sollte man da damit rechnen, dass der November dann doch wieder kalt und regnerisch und so grau sein würde, dass er einem unweigerlich klar macht, der Winter kommt, auch wenn im September noch Grillpartys gefeiert wurden.

Warum aber denken wir nicht an all die guten Dinge aus dem November?

Für mich zum Beispiel, sollte man meinen, müsste der November ein ganz besonderer Feiermonat sein. Weil meine beiden Brüder im November Geburtstag haben und auch meine Tochter im November geboren ist. Um alle drei bin ich sehr dankbar. Im November könnte man noch Pläne schmieden für das neue Jahr, bevor das einen dann auch mit voller Wucht einholt. Aber nein, es hilft alles nichts. Wir finden den November trotzdem nicht dufte.

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Herbstdepression

Als ich in Kalifornien lebte, hatte ich immer Sonnenschein. Auch im November. Meine Laune war trotzdem nicht besser als in Europa. An Novembersamstagen saßen mein Mann und ich spätnachmittags auf der Terrasse dieser kleinen Weinbar. Wir blickten aufs Meer und nur der kleine rote Weihnachtsstern vor der Tür erinnerte uns daran, dass eigentlich Winter war. Ich konnte diesen Nachmittagen zwar so einiges abgewinnen aber ich vermisste meine europäische Welt, meinen Job, meine Familie und meine Freunde.

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Leben im Überfluss

In einer Yogaklasse brachte mich eine der besonders guten Yogalehrerinnen meines Lebens dann auf den richtigen Weg. Statt immer nur zu denken, was wir nicht haben oder was wir gerade gerne wollten, sollten wir einmal daran denken, was wir eigentlich im Überfluss hätten. Ich lag auf meiner Yogamatte und mir kamen fast die Tränen. Was für ein simpler, schöner Gedanke und wie undankbar von mir, so viel Negatives zu sehen.

Es ist schon erstaunlich, dass wir immer auf das Negative fokussiert sind. Wir saugen das Negative förmlich auf, während wir das Positive einfach übersehen. Oder eben als selbstverständlich hinnehmen. Mir wurde auf einmal knallhart bewusst, dass ich mich in den USA darauf konzentriert hatte, was ich nicht habe, statt zu sehen, was ich alles im Überfluss besitze.

Das erste was mir in den Sinn kam, war mein gesunder Körper, der jeden Tag zum Power Yoga marschierte als wäre es selbstverständlich. Ich spürte meine Arme, meine Beine, meine Füße, meine Hände, und war ungeheuer dankbar dafür, dass ich sie noch hatte. Und dann dachte ich an die Liebe. Liebe im Überfluss! Wie schön ist das, wenn man sie hat! Ich bin in einer Familie aufgewachsen, die mir Liebe im Überfluss gab und ich habe einen Mann geheiratet, der mir Liebe im Überfluss gibt. Und dann dachte ich an den Sonnenschein, der immer da war, an das warme Wetter und die Delfine, die ich morgens beim Joggen im Wasser tanzen sah. Ich war plötzlich dankbar für die Möglichkeit, fremde Orte und Kulturen erleben zu dürfen, und zwar nicht nur als Urlauber. Mir fiel noch eine ganze Menge mehr ein.

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Der November ist der perfekte Monat um dich in Dankbarkeit zu üben

Ich sehe die Delfine jetzt nicht mehr. Das Wasser, das ich im Moment am häufigsten sehe, ist der Neckar – gerade eingebettet in wunderschöne Novemberfarben. Manchmal liegt er da in gespenstisch grauem Nebel. Er sieht trotzdem irgendwie schön aus.

In den USA feiern sie Thanksgiving im November und es ist eine der wenigen Gepflogenheiten aus den USA, die ich gerne in den deutschen Alltag integrieren würde. Erstens weil es den November ein bisschen heller macht und zweitens, weil es eine so schöne Gelegenheit ist, sich wirklich einmal bewusst darüber Gedanken zu machen, wofür wir eigentlich dankbar sein können. Was ich oben aufgezählt habe, ist nur ein Bruchteil davon.

Wir nehmen so vieles als selbstverständlich hin, was für andere unendlich viel wert wäre.Click To Tweet

Ich weiß, dass es nicht immer einfach ist, das Positive im Leben zu sehen, aber es ist definitiv ein Weg dahin, glücklich zu sein. Die Wahrnehmung für das Gute in unserem Leben macht uns stark und froh. Ich bin auch nicht immer geduldig, ich will auch oft alles gleich jetzt und sofort haben. Dann ärgere ich mich über das, was ich nicht habe. Sich klarzumachen, dass wir uns darauf fokussieren sollten, was wir haben, anstatt dass zu suchen, was wir nicht haben, dafür ist der November meiner Meinung nach wunderbar geeignet. Weil er so ein grauer, undankbarer Monat ist. Wenn all das Negative überwiegt, und unsere Laune am Tiefpunkt ist, dann lohnt es sich mal, kurz darüber nachzudenken, was wir eigentlich haben. Wir nehmen so vieles als selbstverständlich hin, was für andere unendlich viel wert wäre.

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Den November nutzen

Den November können wir nutzen, um nochmal durchzuatmen, bevor das Jahr sich endgültig dem Ende zuneigt. Noch mal Luft schnappen und uns auf den Endspurt vorbereiten. Im November können wir schon mal die Geschenke für Weihnachten shoppen, damit wir uns dann im Dezember, wenn alle anderen total gestresst sind, gemütlich zurücklehnen und mal einen Glühwein trinken können! Ach, November, bleibt ruhig noch ein bisschen, Weihnachten kommt doch eh immer viel zu schnell…

 

Wofür bist du dankbar? Mach deinen November ein bisschen heller und frag es dich am besten noch heute!

Deine Tine

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Hi, ich bin Tine, Yogalehrerin, Sportwissenschaftlerin und Autorin des Buches Yoga ist ein Arschloch. Ich unterrichte Poweryoga und bin seit April 2015 als „Therapeutic Yoga Teacher“ registriert. Verheiratet mit einem zweimaligen Olympiateilnehmer im Hammerwerfen, bin ich der Meinung, dass Kniebeugen ebenso wichtig sind, wie eine regelmässige Yogapraxis. Seit neuestem lebe ich mit meiner Familie in Hamburg.

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