Auf der Matte
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Das ist aber nicht yogisch…

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In der Yogaszene hat sich etwas unheimliches breit gemacht: Der Selbstoptimierungsdrang. Und damit einhergehend die Verurteilung derer, die das Ganze ein bisschen lockerer angehen. Yoga wird gleichgestellt mit immer neuen Ernährungsrichtungen (je nach dem was gerade angesagt ist) Schönheitsidealen, Verhaltensweisen… Und nur wer das alles sofort und absolut in sein Leben integriert ist wirklich yogisch. Alle anderen, die ihren eigenen Weg gehen oder sich langsam vorarbeiten, sind… es eben nicht. Und kriegen das auch ganz schnell vor den Latz geknallt.

„Das ist aber nicht yogisch“ hat viele Gesichter. Manchmal wird es genauso ausgesprochen und ein anderes mal werden solche Sachen gesagt wie „In den Kopfstand darf man nur als Veganer“. Was ich übrigens nicht erfunden habe, sondern einer Schülerin von mir erzählt wurde, welche dann fragend zu mir kam. Ein anderes Gesicht habe ich als Reaktion auf den Artikel Web-Tipp // Zalando loves Yoga – mit Videos, Interviews & mehr erlebt. Dort habe ich vor Kurzem die neue Yoga-Informationsseite von Zalando vorgestellt. Über Zalando lässt sich streiten, aber wer nur einen Menschen mehr zum Yoga motiviert, der ist auf meiner Seite. Manche fanden das nicht so toll. In dem Sandkasten namens Yoga dürfen halt nur die coolen Kids mitspielen…

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Yogisch oder nicht yogisch – das ist hier die Frage.

Zeig mir bitte den Absatz in einer der vielen alten Yogaschriften, der sagt, dass Kaffee, Schokolade oder Gluten nicht yogisch sind – Smoothies schon. Zeig mir den Absatz, dass ich als Yogi auf meinem Weg nicht auch mal wütend werden darf – immer schön friedlich und leise sein muss. Und vor allem, zeig mir den Absatz, dass ich keine Fehler machen aber immer schön über andere urteilen darf.

Ein paar Fragen, die ich einfach mal so in den Raum werfen möchte: Wie yogisch ist es, so festgefahren zu sein, dass man andere Wege nicht anerkennen kann? Oder davon auszugehen, dass die eigene Weltsicht immer die einzig richtige ist? Wie yogisch ist es, Yoga nur als weiteres Label zu benutzen, mit dem man sich identifizieren kann? Und wie yogisch ist es, den ganzen Tag über Spiritualität zu reden – und darüber, wer denn nun spiritueller ist.

„Talking about spirituality does not make you spiritual.“ - Tara StilesClick To Tweet

Wer bist du?

Hast du dir diese Frage mal gestellt? Genau darum geht es im Yoga. Yogi, Veganer, Surfer, Vergeben – all das sagt nur aus, was du machst. Es sind Labels hinter denen du dich verstecken kannst. Aber wer bist du? Und auf welchem Weg kannst du deine wahre Essenz finden und den Mut entwickeln, diese nach außen in die Welt zu tragen?

Um den Weg dorthin zu finden, bietet der Yoga viele verschiedene Werkzeuge an – die nebenbei bemerkt nicht alle zu jeder Zeit für jeden funktionieren. Der Yoga ist wie ein großer Werkzeugschuppen, aus welchem du die richtigen für dich herauspicken kannst. Und du kannst jederzeit wiederkommen, ein Werkzeug austauschen oder hinzunehmen.

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Yoga ist der Weg zur Selbsterkenntnis.

Yoga ist das Ziel, aber genauso sehr der Weg, Leute!

„Der Begriff Yoga beschreibt in der altindischen Sprache Sanskrit gleichermaßen die Wege, ihre Perspektiven und das Ziel.“

– Anna Trökes in Die kleine Yoga-Philosophie

Und so ein Weg hin zu sich selbst bedeutet Entdecker sein, in neue Welten eintauchen, immer wieder Fehler machen und Stolpersteine überwinden, sich verirren und zurückfinden, seine eigenen Fußspuren hinterlassen. Und nicht, dem Trampelpfad der anderen zu folgen. Denn alles was am Ende dieses Pfades zu finden ist, das sind die anderen und nicht du selbst.

Für mich ist Yoga außerdem ein tiefes Selbstlieberitual. Mit den Asanas streichle ich meinen Körper und während der Meditation schenke ich meiner Seele die Aufmerksamkeit, die sie verdient. Kann jemand, der auf dem Weg zu sich selbst ist, sich mit all seinen Ecken und Schattenseiten sieht und trotzdem immer tiefer lieben lernt, so über andere urteilen?

Bleib bei dir.

Es klingt zwar abgedroschen, aber es ist einfach so wahr: Du kannst die anderen nicht ändern, du kannst nur dich selbst ändern. Das nicht nur anzuerkennen, sondern wirklich zu verstehen, dabei hat Yoga mir sehr geholfen. Es hat keinen Sinn andere verändern und überreden zu wollen. Schon gar nicht sie zu verurteilen oder in Schubladen, wie yogisch und nicht yogisch, zu packen. Wenn ich da so über mich nachdenke, führt das eher zu Trotz. Viel mehr Sinn hat es, sich auf die eigenen Verhaltensweisen und den eigenen Weg zu konzentrieren und so VIELLEICHT ein stilles „Vorbild“ für andere zu sein.

„Bevor du urteilen willst über mich oder mein Leben, ziehe meine Schuhe an und laufe meinen Weg.“

– Autor unbekannt

 

Jeder der sich auch nur ansatzweise mit Yoga beschäftigt und auf den Weg nach innen macht hat meinen großen Respekt verdient. Egal wo er anfängt und wo er aufhört, egal welchen Weg er genau für sich gewählt hat. Egal ob er sich gerade mit dem yogischen Verhaltensvorschlag Ahimsa beschäftigt (welchen die veganen Yogis gerne zitieren) oder ob er sich seit langem erst mal wieder selbst spüren möchte mit wohltuenden Asanas. Buddhismus oder Tantrismus, Askese oder Ekstase. Yoga oder Tai Chi. Go your way!

Betty

P.S.: Zum Abschluss habe ich noch ein erheiterndes Video für euch. Achtung Yogis, schaut es am besten nur, wenn ihr auch gerne mal über euch selbst lacht. Viel Spaß!

Das ist aber nicht yogisch... | In der Yogaszene hat sich etwas unheimliches breit gemacht: Der Selbstoptimierungsdrang. Und damit einhergehend die Verurteilung derer, die das Ganze ein bissch
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Hi, ich bin Betty, Yogalehrerin, Bloggerin, Reiseleiterin und die Gründerin von Oh My Yogi. Im Jahr 2000 entdeckte ich Yoga für mich und stand meine halbe Jugend lang auf dem Kopf, bevor ich elf Jahre später begann von meiner Leidenschaft zu leben und mich in die Freiheit der Selbstständigkeit zu verlieben. Hier zeige ich dir, wie du Yoga mit Herz lebst und authentisch unterrichtest. Frei und spirituell, geerdet und echt - ganz so, wie es dich glücklich macht.

22 Kommentare

  1. Liebe Betty,
    auch ich war beim Lesen des Zalandoartikels schnell dabei die Keule auszupacken und es „unmöglich“ zu finden dass du Werbung für sie machst. Dann hielt ich inne und hab mich ernsthaft gefragt: Wer bin ich, dass ich über dich werten sollte? Ich kenne dich nicht, lese hier still mit, erfreue mich an manchen Artikeln und manches interessiert mich einfach nicht.
    Auch ich tappe immer wieder in die Falle, dass YogalehrerInnen Vorbilder sein müssen. Müssen?!? Für wen?!? Ich möchte mich gerne orientieren und will nachahmen, was auch bedeutet, ich will mir nicht die Mühe machen selbst herauszufinden was das Richtige für mich ist. Dabei bedeutet auch das Yoga für mich: Herausfinden wer ich bin und wie ich zu gewissen Dingen stehe. Und wenn ich es für mich nicht vertretbar finde, bei Zalando einzukaufen muss dass noch nicht für alle gelten ( und das ist auch gut so!).
    Danke für deine Antwort auf die Reaktionen deines Artikels, dadurch habe ich mal wieder etwas über mich gelernt und bin mir selbst nicht auf den Leim gegangen ;-)
    Liebe Grüße
    Jenny

    • Liebe Jenny,

      und da warst du bestimmt nicht die Einzige – also halb so schlimm ;-) Ich finde es sehr schön, dass du so schnell reflektiert und die Keule wieder eingepackt hast, danke dafür! Denn Kritik geht auch an mir absolut nicht spurlos vorbei. Als Yogalehrer ein Vorbild zu sein ist wunderschön und zugleich schwierig, denn wir sind schließlich auch nur Menschen auf unserem Weg. Dabei den vielen verschiedenen (Vor)Bildern in den Köpfen der Schüler (und Leser) gerecht zu werden und sich selbst nicht zu verlieren – das ist der schwierige Teil. Andere Menschen auf ihrem Weg begleiten zu dürfen, der Schöne :-)

      Danke für deine so ehrlichen Worte, freue mich total so authentische Leser(innen) zu haben!

      Bis ganz bald
      Betty

  2. Markus Schneider sagt

    Ein ganz toller Artikel liebe Bettina! Leben und leben lassen, alles andere ist verschwendete und leider viel zu oft negative Energie.

    Namaste ;-)

  3. Liebe Betty,
    Danke dir, du sprichst mir aus der Seele!!! Ein brasilianischer Freund sagte mal in einem anderen Zusammenhang: „If we point our finger towards others, there are three fingers that are pointing back to us“!
    Enjoy,
    Ela

  4. Liebe Betty, danke für diesen grandiosen Artikel! Du sprichst mir aus der Seele.

    Wie weit Jemand auf seinem Pfad der Selbsterkenntnis und Spiritulität vorangeschritten ist, erkennt man meiner Erfahrung nach daran, wie wenig sie oder er sich und andere verurteilt.
    Ein Geruch von Stille, Offenheit, Verständnis und wirklicher Toleranz begleitet diese Menschen.
    Wie du sagst, Yoga kann als Werkzeug genutzt werden, vorallem um in unserer heutigen Zeit immer wieder bei sich anzudocken, aber auch um sich und seine Verhaltensmuster zu reflektieren.
    Ein großer Bestandteil dieser verqueren Entwicklung der Yogacommunity ist vielleicht auch auf den Perfektionswahn zurückzuführen. Selbstoptimierung bis der Arzt kommt, dabei ist doch Nichts und Niemand perfekt. Wäre Perfektion natürlich würden Bäume, Wolken, Steine usw. nicht so beschaffen sein, wie sie es sind.
    Perfektion ist eine Illusion, die uns nur weiter von uns selbst entfernt.
    Yoga kann uns helfen freier und dehnbarer nicht nur in unseren Körpern zu werden, sondern auch in unseren Einstellungen und Überzeugungen zum Leben an sich.

    Ich würde mich freuen, wenn mehr Yoginis und Yogis aufhören sich selbst zu kasteien und zu geißeln und stattdessen lernen könnten, das alles seine Berechtigung hat.

    Ich freue mich auf deinen nächsten Beitrag!
    Alles Liebe, Claudia

    • Liebe Claudia,

      ich sehe das genauso wie du. Und das mit dem Perfektionswahn sprach ich ganz am Anfang des Artikels ja an. Wer sich selbst nichts erlaubt, der kann es anderen auch nicht erlauben… Und danke für diesen Satz: „Yoga kann uns helfen freier und dehnbarer nicht nur in unseren Körpern zu werden, sondern auch in unseren Einstellungen und Überzeugungen zum Leben an sich.“ Ganz wunderbar!

      Ganz lieben Gruß und bis zum nächsten Artikel ;-)
      Betty

  5. Hallo Betty,
    ein toller Artikel. Auch ich stoße immer wieder auf „yogische Vorschriften“ und denke jedes Mal „Warum?“.
    Dieses Du-musst-das-so-machen-sonst-bist-du-kein-richtiger-Yogi-Gehabe kommt mir doch stark religiös vor und gerade das hat für mich nichts mit Yoga zu tun. Yoga ist ein Weg zu uns. Es zeigt uns unsere Antworten und was für uns richtig ist. Wenn es eine heiße Schokolade nach der Yoga-Stunde ist, why not? Dein Leben, deine Regeln.
    Schön, dass du mit diesem Artikel ein bisschen aufräumst – ich kenne nämlich einige Menschen, die genau durch diese „extreme“ Yogaszene vom Yoga abgeschreckt sind, was ich sehr, sehr schade finde, weil uns Yoga so viel gibt.

    Viele Grüße
    Maike

    • Hey Maike,

      danke! Und ganz genau. Genau dieses Gehabe hält viele Menschen davon ab, überhaupt mit Yoga anzufangen. Es ist ihnen zu dogmatisch. Und das ist doch wirklich zu schade.

      Lieben Gruß
      Betty

  6. Liebe Betty!
    Toller Artikel, wirklich. Ich seh das genauso wie du.
    Jeder soll einfach seinen Weg gehen und nicht über andere urteilen. Denn über andere urteilen ist unyogisch….
    Alles Liebe
    Julia

  7. Ein grandioser Artikel, der mir so aus dem Herzen gesprochen hat.

    Ich wünschte, mehr Menschen würden sich dermassen selbst reflektieren und könnten andere einfach ihr Ding machen lassen und akzaptieren, dass es mehr als nur ihren eigenen Weg gibt.

  8. Danke dir für diesen wunderbaren Kommentar. Das befreit mich sehr, da ich noch recht neu beim Yoga bin.
    Ich liebe die Atemübungen und die Konzentration auf den eigenen Körper. Zudem tut Yoga meinem Körper einfach unglaublich gut. Meine Muskeln und Sehnen lieben es, mal richtig gedehnt und durch die Asanas angestrengt zu werden, ich spüre das nach jeder Yogastunde.
    Aber dann sehe ich mir die Bilder von manchen Yogis an, die in schwierigen Übungen ihr Können zeigen. Und ich denke mir: bin ich nicht gut genug weil ich das einfach noch nicht hinkriege? Weil ich oft immer noch einen Gurt brauche, weil ich meine Fersen beim Hund immer noch nicht komplett auf den Boden bekomme?
    Aber dein Beitrag macht mir Mut dass ich doch auf dem richtigen Weg bin und das es okay ist, noch nicht perfekt zu sein. Und dass ich trotzdem yogisch bin, zumindest ein bisschen.
    Danke.

    • Liebe Sarah,

      wie schön, dass du mit Yoga angefangen hast. Mach es einfach weiter für dich und achte nicht darauf, was die anderen tun und sagen. Es ist dein ganz eigener Weg. Und es ist nicht nur „okay nicht perfekt zu sein“, es ist wundervoll!

      Ganz lieben Gruß
      Betty

  9. Ich finde Yoga ist für alle da und ich hatte auch die Anfrage und finde es grossartig, das Zalando auch Yoga unter die Menschen bringt. Gut gemacht! Habe zwar erst hinterher Deinen Artikel darüber gelesen, aber ich hätte es auch so oder so für gut befunden. Yoga darf jeder und es ist gut, wenn es viele Menschen mitbekommen, das es gut ist!

  10. Hallo Bettina,
    danke für den tollen Artikel – genau einer der Punkte, der mich immer wieder *bei den anderen* stört. Oder doch bei mir? Zu schnell sind wir mit Urteilen… auch ich, ja.

    Und lustigerweise habe ich gerade gestern über etwas ähnliches geschrieben – andere Worte, aber doch irgendwie das gleiche.

    Liebe Grüße,
    Michael

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