Lebensstil
Kommentare 6

Love the yogic way – von Beziehungsunfähigkeit, Selbstliebe & Brangelina

Beziehungsunfähigkeit Liebe Yoga Brangelina

Ich hörte die Nachricht im Radio auf SWR3. Angelina Jolie und Brad Pitt sollen sich scheiden lassen. Ich muss hier gleich etwas klarstellen. Ich interessiere mich eigentlich nicht für das Leben solcher Menschen. Es berührt mich nicht. Denn ich kenne sie nicht. Aber die Nachricht über die Trennung dieses na ja, sagen wir mal, medienwirksamen Superpaares hat mich ganz kurz zum Nachdenken gebracht.

Es ist so ähnlich wie damals, als man erfuhr, Jude Law habe Sienna Miller betrogen. Das war 2005 und es war der Moment in meinem Leben, als mir klar wurde, dass es eben doch nicht – Gott sei Dank – nur ums Aussehen geht. War Sienna Miller nicht der personifizierte Traum aller Kerle? Hatte man bis dahin nicht gedacht, wenn man nur Sienna Miller wäre, wären alle Probleme dieser Welt beseitigt? Nein. So ist es nicht. Und das zeigt der „Fall“ Brangelina auch wieder.

Warum ich das hier überhaupt schreibe?

Ich habe in den letzten Jahren, während ich den Mann meines Lebens traf, heiratete, eine Familie gründete und all das machte, was ich mit 26 (also als Jude Law Sienna Miller betrog) noch für undenkbar hielt, das Gefühl, dass mehr und mehr Menschen meiner Generation sich nicht mehr auf die Liebe einlassen. Und das ist schade.

Ich glaube, dass wir uns schwer tun, uns mit etwas zufrieden zu geben.

Es ist, als würde man denken, war es das schon? Wartet nicht doch noch etwas Besseres auf mich? Ist ja auch kein Wunder, wenn man sich die Liste sogenannter Superstars anschaut, verstärkt sich dieser Eindruck. Da ist Brad Pitt beispielsweise, der zunächst mit Gwyneth Paltrow, mit Jennifer Aniston und dann Angelina Jolie zusammen war oder sein Schauspielkollege Ryan Rynolds, der nach Rocksängerin Alanis Morisette Scarlett Johansson datete, sehr schnell heiratete und jetzt mit Blake Lively verheiratet ist. Jedes Mal dachte man: „Wow, was für ein Paar, das muss es doch jetzt sein!“. Aber es funktionierte wieder nicht.

Ich kenne die Gründe der Trennung von Angelina Jolie und Brad Pitt nicht und ich weiß auch bis heute nicht, weshalb Jude Law damals mit dem Kindermädchen durchbrannte. Niemand von uns weiß das und es geht uns auch nichts an. Es zeigt aber, dass wir endlich aufhören sollen, an uns zu zweifeln. Hör auf, dich ständig für nicht schön genug, nicht gut genug zu halten! Du kannst die noch so tollste Superbraut sein, so heiß, schön, dünn, erfolgreich, Wow-Mama, Unicef-Heldin – das ist nicht der Garant für die funktionierende Partnerschaft.

(Anzeige)

Banner_Ohmyyogi_Inline-Rectangle
Danke, dass du hier bist! Mit dem Gutscheincode „ohmyyogi“ kannst du YogaEasy.de 1 Monat kostenlos testen!


Innen nach der Vollkommenheit zu suchen, das hilft schon eher.

„Werde selbst Mr. oder Mrs. Right“, schreibt der Yogalehrer Darren Main in seinem Buch Yoga and the Path of the Urban Mystic, statt nach ihr oder ihm zu suchen. Damit meint er nicht, dass wir uns in Angelina Jolie oder Blake Lively verwandeln sollen, mit ihrer perfekten Figur und dem erfolgreichen Job. Wir müssen nicht Wohltätigkeitsqueen und Super-Mama werden, bevor wir geliebt werden dürfen. Wenn wir beginnen, uns so zu akzeptieren, wie wir sind, dann sind wir Mr. oder Mrs. Right.

Ich habe meine große Liebe (wieder-)gefunden, als ich an einem Punkt in meinem Leben war, indem ich mich vollkommen glücklich und frei fühlte. Ich weiß, dass es nichts nützt, einsamen Menschen zu sagen: „Hör’ doch auf zu suchen.“ Aber hör’ doch bitte auf, jemanden zu suchen, den es schlichtweg nicht geben kann. Mr. oder Mrs. Right, diese Vorstellung von jemand anderem existiert nur in unserem Kopf. Niemand kann diese Erwartungen erfüllen. Denn selbst wenn, werden sich im Laufe der Zeit unsere Erwartungen garantiert wieder ändern. Wir ändern uns ständig, wir ändern unsere Geschmäcker und unsere Meinungen. Wer außen nach der Ganzheit sucht, wird sie nicht innerlich finden können. Wenn wir selbst Mr. oder Mrs. Right sind, wird es auch gelingen, jemand anderen als Mr. oder Mrs. Right zu akzeptieren.

Manchmal glaube ich, dass meine Generation das Wort „Beziehungsunfähigkeit“ zu einem Kultstatus gemacht hat.

„Ich bin beziehungsunfähig“, das ist irgendwie schon fast cool. Nach außen hin wenigstens. Innen fühlen auch diejenigen sich manchmal einsam. Und außen schimpfen sie. Über die Männer oder die Frauen, die alle so kompliziert sind. Kompromisse eingehen möchten sie nicht, weil man sich dann in seiner Wahnsinns-Einzigartigkeit eingeschränkt fühlt. Partnerschaft ohne Kompromisse kann aber nicht funktionieren.

Das Problem unserer Gesellschaft ist, dass wir glauben, wir könnten alles haben.Click To Tweet

Das Problem unserer Gesellschaft ist, dass wir glauben, wir könnten alles haben. Wir wollen Kinder aber trotzdem acht Stunden Schlaf am Stück, trotzdem Party, trotzdem genauso viel Zeit für Freunde wie früher. Das funktioniert nicht. Aber es ist auch nicht schlimm, weil man stattdessen etwas anderes sehr schönes hat. Und so ist es mit der Partnerschaft.

In der Partnerschaft ist es wie beim Radrennen, mal fahre ich im Windschatten, mal muss ich in die Pedale treten. Manchmal muss ich mich zurücknehmen, meine Bedürfnisse hinten anstellen, ohne mich aufgeben zu müssen. Ich bin einfach nicht immer „dran“. Dann gibt es wieder Zeiten, da darf ich die erste Geige spielen. Partnerschaft bedeutet, dass ich nicht jedes Yoga Retreat, das ich gerne machen würde, mitmachen kann. Ich muss erst mal meinen Mann fragen, ob er währenddessen die Stellung halten kann.

Partnerschaft bedeutet für mich…

…dass man sich gegenseitig unterstützt und zueinander hält. Mein Mann hat meine Rückendeckung und ich seine, auch wenn wir nicht immer einer Meinung sind. Vielleicht hast du auch das Interview mit Lalla und Vilas Turske von der Yoga Online Conference 2016 gesehen; das Interview mit dem Paar, das 2004 das erste Anusara Yogastudio in Deutschland eröffnete und heute Inhaber der parApara Yoga-Akademie ist. Das ist ein sehr schönes, berührendes Interview über die Liebe und Partnerschaft.

An einer Stelle musste ich sehr schmunzeln. Da sagt Vilas, dass das Zusammenleben mit Lalla manchmal auch sehr anstrengend sei. Er lächelt dabei. Es ist für mich der wertvollste Satz in diesem fast einstündigen, unheimlich herzlichen und inspirierenden Gesprächs.

Da sitzen zwei Menschen, die übereinander sprechen voller Liebe und Leidenschaft, die seit über 20 Jahren einen Weg zusammen gehen, seit zwölf Jahren sogar zusammen arbeiten, sie strahlen so viel Liebe und Glück aus und dann sagen sie: „Es ist auch anstrengend.“

Es ist auch anstrengend.

Es geht nicht jeden Tag mit rosa Herzchen in den Augen. Manchmal ist vielleicht auch Pipi in den Augen. Und manchmal ist es wie Yoga – es fließen Schweiß und Tränen. Lieben wir Yoga nicht so sehr, weil es auch anstrengend ist? Weil es uns fordert? So ist es mit der Liebe.

 

Und versucht bloß nicht, Brangelina zu werden!

Tine

Love the yogic way - von Beziehungsunfähigkeit, Selbstliebe & Brangelina | Ich hörte die Nachricht im Radio auf SWR3. Angelina Jolie und Brad Pitt sollen sich scheiden lassen. Ich muss hier gleich etwas klarstellen. Ich interessiere mich eigentlich nicht für das Leben solcher Menschen. Es berührt mich nicht. Denn ich kenne sie nicht. Aber die Nachricht über die Trennung dieses na ja, sagen wir mal, medienwirksamen Superpaares hat mich ganz kurz zum Nachdenken gebracht.
Kategorie: Lebensstil

von

Hi, ich bin Tine, Yogalehrerin, Sportwissenschaftlerin und Autorin des Buches Yoga ist ein Arschloch. Ich unterrichte Poweryoga und bin seit April 2015 als „Therapeutic Yoga Teacher“ registriert. Verheiratet mit einem zweimaligen Olympiateilnehmer im Hammerwerfen, bin ich der Meinung, dass Kniebeugen ebenso wichtig sind, wie eine regelmässige Yogapraxis. Seit neuestem lebe ich mit meiner Familie in Hamburg.

6 Kommentare

  1. Miriam sagt

    Toller Beitrag,
    ich musste ihn direkt mal an Freunde weiterleiten. Sehr schön geschrieben. Vielen Dank dafür :)
    Namasté Miri

  2. Der Artikel ist toll und spricht mir aus der Seele. Ich habe das Glück meinen Mann nun schon seit 20 Jahren zu kennen. Wir lieben und kämpfen und können so viel voneinander lernen. Es ist nicht alles perfekt aber wir wissen, dass wir im Grunde das gleiche wollen und in die selbe Richtung gehen.
    Viele Grüße
    Stefanie

    • Stefanie, so schön so etwas zu lesen! Die 20 Jahre habe ich noch nicht geschafft mit meinem Mann aber das wünsche ich mir sehr!! Ihr seid sicher tolle Vorbilder für viele Partnerschaften in Eurem Bekanntenkreis! Alles Liebe, Tine

  3. Andreas sagt

    Hallo Tine,
    Danke für deine klugen Zeilen und ehrlichen Worte. Mal sich zusammenreißen, Verzicht üben und dann mal wieder genießen, zu akzeptieren, dass im Leben nicht alles glattläuft und nach Regen wieder Sonnenschein kommen wird, Respekt und vor allem an die Liebe denken, scheinen viele der Menschen zwischen 20 und 50 Jahren vergessen zu haben. Frei nach dem Motto „Wenn jeder an sich denkt, ist an alle gedacht“ ist uns nicht nur in der Partnerschaft das notwendige Einfühlungsvermögen abhanden gekommen. Eine Gesellschaft im Ganzen kann nur mit Empathie funktionieren. Hass und Wut lassen uns in die Hände falscher Menschen fallen. Für Liebe braucht es manchmal auch Mut und Selbstliebe. Wer das in sich trägt, kann es ausstrahlen und somit weitergeben – an seinen Partner, Kinder und seine Mitmenschen.

    • Ach Stefan, danke für deinen schönen Kommentar. Das ist auch meine größte Sorge, dass ich irgendwie den Eindruck habe, dass alle nur noch an sich denken… Ich wünsche Dir eine schöne Weihnachtszeit!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.