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Die Kunst authentisch zu sein – Dos & Don’ts für Yogalehrer

Kennst du diese Menschen, die von der letzten super intensiven Engelmeditation, bahnbrechenden Erkenntnissen aus der Rückführungstherapie oder der ultimativen Yogatechnik sprechen und dabei irgendwie so unzufrieden drein schauen? Du hörst sie so reden und fragst dich, wieso die Engel ihnen nicht ein bisschen was von ihrem Glanz abgegeben haben. Oder ob die ultimative Yogatechnik vielleicht dazu geführt hat, dass die Person jetzt so ultimativ unauthentisch wirkt.

Wenn dem so ist, dann wird deine Intuition dich sicherlich ziemlich schnell darüber informieren, dass du das Weite suchen solltest. Aber wie schaut es mit dir selbst aus?

Sei ehrlich mit dir. Wann bist du nicht ganz authentisch?

Was aber, wenn du hier und da feststellst, dass dir gerade selbst die Authentizität fehlt. Dass du deinen Yogaschülern etwas von Gesundheit predigst und dir selbst wie eine Verrückte die Nächte um die Ohren schlägst, um an deiner Webseite zu bauen. Die Augenringe werden immer tiefer und die Haut wird so blass, dass du dich ohne Make-up nicht mehr vor die Klasse traust.

Es gibt einfach manchmal solche Situationen im Leben. Keiner erwartet von dir, dass du immer und ohne Ausnahme das lebst, was du als erstrebenswert ansiehst. Und dennoch… Authentizität ist oberstes Gebot.

Lesetipp: Das ist aber nicht yogisch… >>

Authentisch sein – Don’ts für Yogalehrer

Predige nicht, was du selbst nicht umsetzen kannst oder willst.

Hast du schon mal in Erwägung gezogen, dass du so, wie du jetzt bist, gut genug bist?

You are enough!

Hast du schon mal in Erwägung gezogen, dass du so, wie du jetzt bist, gut genug bist?Click To Tweet

Du musst nicht die perfekte Yogalehrerin mimen, um erfolgreich zu sein. Yoga ist das ganze Leben und das ganze Leben ist Yoga – wie also könntest du den Anspruch an dich haben, erst perfekt sein zu müssen, um für andere einen Mehrwert zu stiften? Du müsstest ja erst mal erleuchtet sein, um dann mit einem guten Gefühl unterrichten zu können. Es könnte sein, dass du dann noch eine Weile warten müsstest.

Ansonsten fang doch einfach schon mal an und mach kleine Schritte. Und wenn dann mal so was völlig unyogisches aus dir raus will: Go for it!

Fett abfeiern und am nächsten Tag nicht in der Katze auf der Matte sondern mit einem fiesen Kater im Bett zu landen: So what?

Wenn du es wie ich – ich bin jung und lebe in Berlin, noch Fragen? – dann trotz Kater am nächsten Tag noch schaffst deine Yogaklasse zu unterrichten, dann zählst du in meinen Augen zu den Profis. Waaas? Ok das war jetzt aber eine ordentliche Portion Ehrlichkeit und Authentizität. Und das alles nur um dir klar zu machen:

Du bist gut so wie du bist, mit all deinen Schattenseiten, Unzulänglichkeiten und Fehlern, die du so im Laufe deines Lebens fabrizierst.

Und das Gute ist, du darfst ja aus deinen Fehlern lernen. Ich bevorzuge seit dieser zugegebenermaßen echt schrägen Aktion auch ein Tässchen Yogi-Tee am Abend vor dem Unterrichten.

Gib keine Ratschläge. Es sei denn, jemand fragt dich danach.

Sei vorsichtig mit gut gemeinten Tipps. Wenn die Schüler eine konkrete Frage – zu einer bestimmten Situation in ihrem Leben betreffend – haben, werden sie sich vertrauensvoll an dich wenden. Erfahrungsgemäß werden diese Fragen immer häufiger, je selbstsicherer du deine Sache vermitteln kannst. Und nur wer wirklich von sich selbst aus Interesse bekundet, wird einen Nutzen von deinen Ausführungen haben. Ansonsten fühlt es sich für die meisten übergestülpt an. Menschen reagieren dann eher mit Skepsis und Abwehr.

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Authentisch sein – Dos für Yogalehrer

Mach deinen Schülern klar, dass auch du dich in einem Lernprozess befindest.

Du bist Yogalehrerin und rauchst manchmal eine Zigarette? Anstatt dir selbst Vorwürfe zu machen sieh genau hin, beobachte was passiert und in welchen Situationen du zum Glimmstängel greifst. Deine Schüler profitieren von deinen Erkenntnissen und vor allem davon, dass du dich selbst bedingungslos annimmst. Denn erst dann bekommst du diese ruhige Ausstrahlung, die es braucht, um einen Ort der Heilung zu kreieren, in dem das Licht des Bewusstseins liebevoll all unsere Schattenseiten erhellt.

Rauchen tue ich zum Glück nun schon sehr lange nicht mehr. Bei mir ist es eher der Zucker, der mich nach so manch einem Instagram-Smoothie-Bild schon hat Zweifeln lassen, ob ich nicht lieber die Tafel Schockolade hätte teilen sollen, die ich im Anschluss dann noch verdrückt habe. Seit dem poste ich ganz viele Kuchen Bilder. Check it out on Instagram.

Beschreibe was dir schwer fällt und woran du manchmal scheiterst, denn das macht dich glaubwürdig.

Es ist doch wirklich eine Freude von anderen Menschen zu hören, was sie falsch gemacht haben, und zu sehen, wie sie einfach dazu stehen. Es gibt dir selbst nämlich die Legitimation das gleiche zu tun.

Von klein auf werden wir dazu konditioniert möglichst keine Fehler zu machen. Als Verhaltenstherapeutin (IntraActPlus) konnte ich über all die Jahre meiner beruflichen Tätigkeit genau beobachten, wie es funktioniert. Bei der videogestützten Verhaltensanalyse kann man wunderbar erkennen, wie die Eltern größtenteils unbewusst im Sekundenfenster einen Strafreiz senden, sobald das Kind einen Fehler macht. Vor allem bei inhaltlichen Fehlern ist es besonders auffällig. Wenn das Kind zum Beispiel einen Buchstaben falsch ausspricht. Automatisch wird die Stimme der Eltern etwas kühler und strenger die Körperhaltung wendet sich von dem Kind ab. Das wird von dem Kind als unangenehm empfunden und vom Gehirn als Strafreiz gewertet. Folglich wird das Verhalten, was zu dem unangenehmen Gefühl geführt hat, abgebaut. Sprich, die Freude am Lernen stirbt mit jeder Lerneinheit ein Stückchen mehr und sogenannte Lern- und Leistungsstörungen sind vorprogrammiert.

Es sei denn, die Eltern denken um. Es sei denn, sie entwickeln genug Bewusstheit um ihre eigenen automatisierten Prozesse zu durchbrechen. Oftmals heißt das, sie müssen erst mal lernen, sich selbst das Fehler machen zuzugestehen. Wo wir wieder beim Thema wären: Fehler machen ist erwünscht – so können wir wachsen und lernen.

Fehler machen ist erwünscht - so können wir wachsen und lernen.Click To Tweet

 

Da ich mich in diesem Artikel gleich in zweifacher Weise geoutet habe (zu viel Zucker, manchmal zu viel Wein) hoffe ich, dass ich dir Mut machen konnte auch deine Fauxpas hier in den Kommentaren mit der Community zu teilen. Denn das ist der erste Schritt… sich selbst annehmen und so zeigen wie man eben einfach ist.

Proud to be not perfect!

Deine Milena

Bildquelle: Flickr, Jean Henrique Wichinoski

Die Kunst authentisch zu sein - Dos & Don'ts für Yogalehrer
Kategorie: Yogalehrer 1x1

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Hi, ich bin Milena und freue mich riesig auf mein neues Leben als selbstständige Yogalehrerin und Bloggerin. Auf Boost your Om möchte ich dich tiefsinnig und leichtfüßig dabei begleiten, deinen persönlichen Traum zu leben und deinen Alltag voller Magie und Selbstliebe zu gestalten. Yoga ist dabei nur ein Tool von vielen. Als Ergotherapeutin weiß ich, dass es verschiedene Medien und Möglichkeiten gibt, um ein bestimmtes Ziel zu erreichen. Aus diesem Grund soll mein Blog genauso bunt und vielfältig sein wie ich selbst... wo die Reise hingeht das wird sich zeigen. Du darfst gespannt sein.

8 Kommentare

  1. andy sagt

    Ist das hier eigentlich nur für Frauen? Also es wird ja nur in der weiblichen Form geredet.

  2. Hoppilein Laura sagt

    Hallo Betty,

    vielen Dank, Du machst mir viel Mut mehr dazu zustehen, nicht perfekt zu sein und mich für meine Erkrankung nicht zu schämen. Ehrlich zu seinen Schülern sein ist wohl das beste und wie du schon sagst, macht einen glaubwürdiger. Niemand ist perfekt und das zu vermitteln einfach nur menschlich zu sein keine Schande ist. Man kann nur das weitergeben, was man selbst lebt und vollkommen hinter steht. Meine Ausbildung steht mir erst bevor und ich bin sehr aufgeregt. Danke für deine wirklich tollen Artikel, die haben mich schon um einiges weitergebracht.

    Ganz liebe Grüße!
    Laura

    • Liebe Laura,

      dieser Artikel ist zwar von Milena geschrieben, aber ich freue mich trotzdem sehr über deine Worte, da es genau das ist, was ich mit Oh My Yogi erreichen möchte. Dass nichts und niemand „perfekt“ und dass das auch mehr als gut so ist, ist wohl eines der wichtigsten Dinge, die wir Yogalehrer vermitteln können. Viel Erfolg und viel Spaß in deiner Ausbildung!

      Lieben Gruß
      Betty

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