Lebensstil
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Aparigraha. Oder wie war das noch mal mit den Geschenken?

Aparigraha. Oder wie war das noch mal mit den Geschenken?

Aparigraha, die yogische Genügsamkeit, und unsere weihnachtliche Tradition des Schenkens scheinen sich erst mal zu widersprechen. Aber da wir nicht wie die Einsiedler in einer Höhle leben, sondern Yoga in unseren weltlichen Alltag integrieren, habe ich mir dir Frage gestellt, wie wir beides verbinden und ohne schlechtes Gewissen ordentlich Freude am Schenken empfinden können.

Aber fangen wir ganz von vorne an.

Ich gebe es gleich zu, ich liebe Weihnachten und freue mich jedes Jahr auf die Adventszeit. Die Magie, die von Weihnachten und den letzten Wochen des Jahres ausging, als ich ein Kind war, ist nicht verlorengegangen. Seit ich selbst Mama bin, hat Weihnachten wieder einen ganz besonderen Zauber.

Ich mochte die Adventszeit mit ihren Lichtern, ihrer Gemütlichkeit, die dem Winter etwas Besonderes gab. Dazu führte, das Jahreszeiten ihren Reiz hatten, schon als Kind. Der Winter war irgendwie schön, und Weihnachten machte ihn besonders. Es gibt diese eiskalten Wintertage, wenn der Duft von Kaminfeuer in der Luft liegt – noch heute riecht das für mich wie Weihnachten – auch wenn Weihnachten in den letzten Jahren eher 13 Grad und Regen bedeutete…

Natürlich ging es als Kind vor allem um den Zauber der Geschenke, die Überraschungen.

Weihnachten bedeutete Rumlungern ohne Reue. Click To Tweet

Was würde wohl unterm Baum liegen? Ich weiß, dass es manchmal enttäuschte Gesichter gab und dass an Weihnachten auch immer Erwartungen geknüpft waren. Als wir nach und nach alle erwachsen wurden, wurden die Geschenke weniger wichtig, stattdessen wuchs die Bedeutung des Zusammenseins. Weihnachten bedeutete, dass wir uns alle im Haus meiner Eltern trafen und Zeit füreinander hatten, nicht nur zusammen zu Abend aßen, sondern auch nach dem Ausschlafen gemeinsam frühstückten. Weihnachten bedeutete Rumlungern ohne Reue. Spazieren zu gehen. Es sich gemütlich zu machen.

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Die Familientradition der Wunschzettel.

Trotzdem ist es eine Tradition in unserer Familie, vor Weihnachten Wunschzettel zu schreiben. Wie als Kinder. Mittlerweile ist das zum Teil richtig anstrengend geworden, die Wunschzettel sind ein großes Thema, an Weihnachten werden sie genau durchdiskutiert, manchmal sogar bewertet und es ist schon wichtig, dass man sich beim Erstellen auch Mühe gibt. Manche werden mit InDesign erstellt, der Druck einen besonders schönen Wunschzettel zu erstellen, ist echt hoch.

In Wahrheit ist es nicht wichtig, dass am Ende auch wirklich etwas unterm Baum liegt, das auf dem Wunschzettel stand. Es geht vielmehr darum, es den anderen nicht so schwer zu machen; ihnen eine Idee davon zu geben, worüber man sich freuen würde. Als Erwachsene habe ich gelernt, Erwartungen loszulassen und die Geschenke sind wirklich – ich schwör’! – nicht mehr wichtig für mich.

Trotzdem dürfen wir uns auch als Yogis über Geschenke freuen.

Für mich stehen Aparigraha und das Annehmen von Geschenken nicht im Gegensatz zueinander. Ich bin überzeugt davon, dass wir uns auch als Yogis über materielle Dinge freuen dürfen. Die Frage ist, in welchem Maß uns diese Dinge wichtig sind. Glauben wir, Frieden in ihnen zu finden? Dann werden wir den Frieden vermutlich lange suchen. Ich kann mich sehr wohl über ein schönes Geschenk freuen, ich weiß aber, dass dieses Geschenk mich nicht wirklich glücklicher machen wird. Wenn wir etwas Materielles unbedingt wollen, sollten wir vielleicht hinterfragen, warum wir es unbedingt wollen. Materielle Dinge machen uns als Menschen nicht wertvoller.

Ich bin überzeugt davon, dass wir uns auch als Yogis über materielle Dinge freuen dürfen.Click To Tweet

Aparigraha und das Schenken.

Ich glaube im Übrigen auch nicht, dass es schlimm ist, Geschenke von Menschen anzunehmen, die mit Liebe ausgesucht wurden. Auf den einschlägigen Yogablogs des Landes (und auch auf diesem hier) wurden in den vergangenen Wochen Listen erstellt mit den schönsten Weihnachtsgeschenken für Yogis. Tolle Produkte waren das, fast jedes einzelne davon würde mir – ausgesucht und geschenkt von einem Menschen, der mir etwas bedeutet – große Freude bereiten.

Ich habe kurz über Aparigraha nachgedacht beim Lesen dieser Blogs und dann habe ich mich gefreut. Dass die Yogablogs, die ich lese, nicht der Meinung sind, dass man gänzlich auf Geschenke und Konsum verzichten muss, um glücklich und frei zu sein. Wie schön finde ich es, andere zu beschenken! Ist das mittlerweile nicht fast schöner als selbst Geschenke auszupacken? Das Einpacken vor Heilig’ Abend macht doch fast mehr Spaß als das Auspacken. Weil man sich so schön ausmalen kann, wie man jemand anderem eine Freude bereitet.

Aparigraha heißt für mich, dass wir uns nicht kaufen lassen dürfen.

– und natürlich auch andere mit unseren Geschenken nicht kaufen sollen. Und dann gibt es ja auch noch einen großen Unterschied zwischen Gier und der reinen Lust und Freude auf etwas. Ich finde viele Dinge schön und würde mich beispielsweise über etwas Abwechslung in meinem Kleiderschrank freuen. Genausogut weiß ich aber, dass ich nicht unbedingt noch eine und noch eine Jeans brauche und dass ich auch ohne eine neue Jacke total gut gelaunt und froh durchs Leben rennen kann. Ich definiere mich nicht über mein Auto. Auch nicht über die Boots, die ich trage. Das wichtigste ist aber: Ich bin auch nicht neidisch auf diejenigen, die die neuesten Boots tragen.

 

Ohne Neid und Gier zu leben, das bedeutet Aparigraha in erster Linie für mich. Deswegen hoffe ich, du genießt es dieses Jahr beschenkt zu werden. Und falls du dir über Aparigraha Gedanken gemacht haben solltest, relax! Das Jahr war anstrengend genug. Wir haben es verdient, zu genießen.

Fröhliche Weihnachten!

Tine

Bild: ©Arndt Götze

Aparigraha. Oder wie war das noch mal mit den Geschenken? | Aparigraha, die yogische Genügsamkeit, und unsere weihnachtliche Tradition des Schenkens scheinen sich erst mal zu widersprechen. Aber da wir nicht wie die Einsiedler in einer Höhle leben, sondern Yoga in unseren weltlichen Alltag integrieren, habe ich mir dir Frage gestellt, wie wir beides verbinden und ohne schlechtes Gewissen ordentlich Freude am Schenken empfinden können.
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Hi, ich bin Tine, Yogalehrerin, Sportwissenschaftlerin und Autorin des Buches Yoga ist ein Arschloch. Ich unterrichte Poweryoga und bin seit April 2015 als „Therapeutic Yoga Teacher“ registriert. Verheiratet mit einem zweimaligen Olympiateilnehmer im Hammerwerfen, bin ich der Meinung, dass Kniebeugen ebenso wichtig sind, wie eine regelmässige Yogapraxis. Seit neuestem lebe ich mit meiner Familie in Hamburg.

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