Yogalehrer 1x1
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Ansichtssache // Wie sprichst du deine Yogaklasse an? DU vs. IHR vs. WIR (+ Umfrage)

Hast du dir schon mal Gedanken darüber gemacht, wie du deine Schüler während des Yogaunterrichts ansprichst? Nein? Dann wird es jetzt aber Zeit! Denn die verschiedenen Ansprachen machen einen Unterschied.

Falls du dich fragst, was genau ich damit meine, sind hier Beispiele für jede Form:

  • DU: Richte DEINE Wirbelsäule auf. Entspanne DEIN Gesicht. Vertiefe DEINE Atmung. Wie fühlst DU DICH?
  • IHR: Richtet EURE Wirbelsäule auf. Entspannt EUER Gesicht. Vertieft EUREN Atem. Wie fühlt IHR EUCH?
  • WIR: WIR richten UNSERE Wirbelsäule auf. WIR entspannen UNSER Gesicht. WIR vertiefen UNSEREN Atem. Wie fühlen WIR UNS?
Hast du dir schon mal Gedanken darüber gemacht, wie du deine Yogaklasse ansprichst?Click To Tweet

DU vs. IHR vs. WIR: Was ist richtig?

Als ich während meiner Ausbildung die erste Lehrprobe hielt, fiel auf, dass ich immer wieder zwischen dem DU, IHR und WIR wechselte. Kein Wunder, denn ich hatte mir vorher überhaupt keinen Kopf darüber gemacht. Danach natürlich um so mehr. Und auch wenn ich glaube, dass es hier (wie so oft) kein Richtig und Falsch gibt, entschied ich mich für eine Form.

Denn die verschiedenen Ansprachen haben auch unterschiedliche Wirkungen auf die Gruppe. Sich als Yogalehrer für eine zu entscheiden zeugt von Klarheit und Bewusstheit. Dieser Yogalehrer weiß um die Wirkung seiner Worte und wie er mit ihnen die Gruppe leiten kann.

Bist du dir unsicher, wie du deine Yogaklasse ansprechen möchtest?

Dann achte einmal darauf, wie du als Schüler im Yogaunterricht am liebsten angesprochen wirst. Mach dir Gedanken darüber, welche der unten beschriebenen Wirkungen dir am wichtigsten sind. Oder beginne mit den verschiedenen Ansprachen zu spielen. Gib jeweils eine Stunde nur in einer Ansprache und fühle nach, was sich für dich am authentischsten angefühlt hat. Schlussendlich wähle den Weg, mit dem du dich am wohlsten fühlst, ohne ihn zu zerdenken. Es ist nichts Absolutes, deine Meinung darf sich auch wieder ändern.

Die Ansprache DU

Das DU wirkt sehr direkt. Die Schüler fühlen sich persönlich angesprochen und bleiben somit oft aufmerksamer. Sie sind wichtig. Andererseits könnten sie sich mit dem DU unwohl fühlen. Es geht ihnen zu nah und fühlt sich für manche nicht richtig an, da du ja eine Gruppe anleitest und nicht eine einzelne Person.

Die Ansprache IHR

Das IHR wirkt immer noch persönlich, geht jedoch nicht so nah wie das DU. Es kann ein Gruppengefühl erzeugen und fühlt sich für die meisten richtig an, denn schließlich leitest du ja auch eine Gruppe. Allerdings kann es beim IHR auch schon mal passieren, dass ein Schüler abdriftet, da er sich im Schutz der Gruppe „sicher“ fühlt und denkt, dass er alleine nicht so auffällt.

Die Ansprache WIR

Das WIR kann Verbindung schaffen. Der Lehrer und die Schüler befinden sich auf einer Ebene und praktizieren zusammen. Auf der anderen Seite kann das Gefühl aufkommen, dass der Lehrer seine Position als Leiter und Schutzgebender nicht einnimmt – zum Beispiel nicht aufpasst, weil er zu sehr in seiner eigenen Praxis aufgeht. Wenn von WIR gesprochen wird, obwohl der Lehrer nicht mitmacht, hört es sich einfach nur falsch an.

OhMyYogi-Style

Umfrage: Was denkst du?

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DU vs. IHR vs. WIR: Wie sprichst du deine Schüler an? Oder wie wirst du am liebsten als Schüler angesprochen?

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    Mein Weg

    Nach meiner ersten Lehrprobe damals habe ich mich für einige Zeit für das DU entschieden, weil mir der persönliche Charakter daran gefiel. Ich schreibe dich auf Oh My Yogi ja auch immer als Einzelperson an. Es gibt da aber einen großen Unterschied. In der Rolle der Schülerin fiel mir auf, dass mich etwas an dem DU störte, es erschien mir irgendwie nicht richtig, unauthentisch. Denn schließlich liege ich in einer Gruppe von Menschen, höre mit dieser Gruppe zu, führe mit dieser Gruppe aus. Wenn du hier liest, tust du es dann meistens doch alleine in deinem Kopf. Darum wähle ich heute beim Unterrichten das IHR und fühle mich super wohl damit.

    Aber, und das finde ich besonders wichtig, wer die Regeln kennt, der darf sie auch wieder brechen – solange du ganz genau weißt warum du es tust. Wenn ich zum Beispiel jemanden persönlich ansprechen möchte, weil ich nur ihn korrigiere, dann sage ich DU. Und wenn ich bei einer Übung mitmache und die Gemeinschaft herausheben möchte, wie zum Beispiel beim Singen von Mantren, dann kann es auch schon mal das WIR werden.

     

    Mein Weg ist natürlich nur meiner. Und die Frage, welche Ansprache zu dir und deinen Unterricht passt, ist eine ganz individuelle. Ich bin total neugierig! Hast du dir schon mal Gedanken über das Thema gemacht? Welche Ansprache wählst du und warum? Und wie kommt es bei dir an, wenn du als Schüler auf der Matte liegst. Teile deine Gedanken in den Kommentaren mit uns und nimm bitte an der Umfrage teil, sodass wir uns alle ein Bild machen können. Danke!

    Betty

    Kategorie: Yogalehrer 1x1

    von

    Hi, ich bin Betty, Yogalehrerin, Bloggerin, Reiseleiterin und die Gründerin von Oh My Yogi. Im Jahr 2000 entdeckte ich Yoga für mich und stand meine halbe Jugend lang auf dem Kopf, bevor ich elf Jahre später begann von meiner Leidenschaft zu leben und mich in die Freiheit der Selbstständigkeit zu verlieben. Hier zeige ich dir, wie du Yoga mit Herz lebst und authentisch unterrichtest. Frei und spirituell, geerdet und echt - ganz so, wie es dich glücklich macht.

    13 Kommentare

    1. Marie sagt

      Danke für diesen Beitrag <3

      Ich unterrichte in der Pluralform, also 'richtet eure Wirbelsäule auf..'
      Nur bei der Schlussentspannung wechsle ich in die ich-Perspektive '..und ich sinke in die Stille hinein..' fühlt sich für mich am stimmigsten an. Beim Zurückholen aus der Entspannung kommt 1-2 Mal ein du und dann wirds wieder zum 'ihr'

    2. Huhu BettyBetty, ich sage ihr wenn es alle betrifft und Du wenn es um eine Person geht und bei der Endentspannung. LG Miri

      • Hey Miri,

        dann machst du es genauso wie ich. Außer die Endentspannung, da bleib ich beim IHR. Ich finde es großartig, wie jeder (ganz bewusst) sein Ding macht!

        Lieben Gruß
        Betty

    3. Ich verwende manchmal „ihr“ aber meistens „Du“. Wenn ich die Stunde mit „Du“ beginne, bleibe ich dabei. Das passiert intuitiv. Das „wir“ vermeide ich, weil es unverbindlich wirkt und außerdem gelogen ist, weil „ich“ ja nicht mitmache. ;)

      Das „ihr“ wirkt für mich zu unpersönlich. Yoga ist etwas sehr persönliches, daher verwende ich am liebsten das „Du“.

      Bei der Autosuggestion gehe ich – wie Marie schrieb – auch ins „ich“.

      Bei Einzelstunden und in der Yogatherapie kommen Klienten zu mir, die mit dem yogischen „Du“ nichts anfangen können. Die werden mit „Sie“ angesprochen.

      Lg
      Jnanadev

      • Hey Jnanadev,

        habe darüber nachgedacht das SIE auch mit reinzunehmen, aber das wäre dann zu umfangreich geworden. Außerdem kommt es ja dem DU, also dem Singular, irgendwie ziemlich nur und ist nur formaler. Danke für das Teilen deiner Erfahrungen!

        Lieben Gruß
        Betty

    4. Super Beitrag. Gutes Thema. Als latenter Sprachnazi habe ich mir da viele Gedanken drüber gemacht. Beim Unterrichten wechsle ich ab: Du und ihr. Je nach Situation. Früher fand ich „Du“ oft ein bisschen creepy, wenn das die Yogalehrer*innen gesagt haben. Tendenziell finde ich das heute aber am besten. Weil: „Richtet eure Wirbelsäulen auf“, müsste es grammatikalisch richtig ja heißen. Wir haben ja keine kollektive Wirbelsäule. Und das ist dann irgendwie ein bisschen angestrengt und auch missverständlich: „Hebt eure rechten Beinen.“ Hmmm…

      Werde nächstes Mal verstärkt darauf achten, wie ich tatsächlich unterrichte.

      Love Rebecca

      • OMG, ich schmeiß alles hin, das wird mir zu kompliziert ;-)

        Scherz beiseite, du hast mich ganz schön zum Nachdenken gebracht, den Aspekt hatte ich noch gar nicht auf dem Schirm. Trotzdem bleibe ich erst mal beim IHR. Weil es sich so gut anfühlt und weil es vielleicht grammatikalisch nicht richtig ist, aber umgangssprachlich doch ziemlich anerkannt. Wir können sagen „nehmt euch Blöcke“ oder „nehmt euch einen Block“. Wer weiß, vielleicht fühle ich mich ja irgendwann auch wieder gut mit dem DU.

        Notiz an mich: Ich muss unbedingt mal eine Yogastunde von Rebecca besuchen wenn ich in Berlin bin ;-)

        Danke für den Input!
        Betty

    5. Schöner Artikel und ein wichtiges Thema. Ich wähle „Du“ wenn ich einen Flow anleite und jeden in eine Verinnerlicherung hineinführen möchte. Wenn ich etwas theoretisches erkläre, spreche ich die ganze Gruppe mit „ihr“ an.

      Liebe Grüße
      Milena

    6. Stine sagt

      Das ist ein sehr, sehr schöner Beitrag! Mir ist aufgefallen, dass es mich bei Yogalehrern immer ein bisschen stört, ungefragt in das kollektive „wir“ aufgenommen zu werden. Gerade wenn es um das Thema der Stunde geht habe ich schon öfter Sätze gehört wie „Wenn wir mal ehrlich sind, machen wir immer alle dies und nie das“, „Wir tendieren dazu, dies und das immer soundso zu machen“ „Weil wir immer alle soundso sind, passiert uns ständig dies und jenes…“ Und irgendwie nimmt mir das die Chance zu entscheiden, ob das wirklich so ist, denn der Yogalehrer vorne scheint das ja zu wissen. An dieser Stelle finde ich das WIR völlig unangebracht. Ich weiß nicht genau, warum, aber bei Yogis, die das DU verwenden, ging mir das bisher noch nie so. Vielleicht weil zu diesem DU manchmal eher noch ein WENN kommt („Wenn dir auffällt, dass du dieses und jenes tust“, „Streck deinen Fuß mehr, wenn das passiert…“) Auf jeden Fall fühle ich mich weniger „verallgemeinert“.

      • Hallo Stine,

        es geht mir sehr ähnlich, ich mag das DU oder das IHR auch viel lieber als das WIR. Aber schon interessant, wie uns so kleine Änderungen beeinflussen können ;-)

        Lieben Gruß
        Betty

    7. Lustige Frage, über die ich bewusst noch nie nachgedacht habe. Es gibt eigentlich nur eine Form, die ich nicht verwende, weil ich sie mich extrem stört: Das unpersönliche „sich strecken“, „sich vorbeugen“. Find ich grauenhaft.

      Ich habe mich in den letzten Stunden mal geachtet und ich schwanke immer zwischen „wir“ und „ihr“. „Wir“ verwende ich, wenn ebenfalls mitmache und in der Pose verweile. „Ihr“ verwende ich, wenn ich am Korrigieren und Überprüfen bin.

      Wenn ich meine kleine „philosophische Einleitung“ zu Beginn mache, dann nutze ich entweder „ich“ oder „man“. Ich finde das „wir“ da sehr unpassend.

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