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Achtsam essen: Wie Yoga deine Beziehung zum Essen verändern kann

Helen RöhrigGastartikel von Helen Röhrig: Helen schreibt gerade an ihrer Masterarbeit in Psychologie, lebt und liebt Yoga und hat letztes Jahr in Indien ihre Yogalehrerausbildung absolviert. Sie ist sehr glücklich, dass sie Yoga und ihr Studium für ihre Masterarbeit nun so schön verbinden kann – was sie auch in Zukunft gerne versuchen möchte, da sie glaubt, dass Yoga und Psychologie sehr gut zusammenpassen.

Gestörtes Essverhalten, Übergewicht und Adipositas sind in Deutschland und weltweit ein Problem mit riesiger Bedeutung. Über die Hälfte der Deutschen ist übergewichtig oder adipös und nach aktuellen Schätzungen liegt bei einem Fünftel der Jugendlichen der Verdacht auf eine Essstörung vor. In diesem Artikel möchte ich der Frage auf den Grund gehen, wie Yoga unsere Beziehung zu gesundem Essen verbessern kann.

Fast alle von uns kennen es wahrscheinlich auch: Es gibt unzählige und immer wieder neue Ernährungsempfehlungen, die mehr Gesundheit, weniger Übergewicht und Schönheit versprechen. Aber welche ist denn nun die richtige? Statt Hilfe, ist die Vielfalt an Ernährungstipps eher eine Überforderung. Die meisten, das heißt etwa 85 % der Menschen, sind unzufrieden mit ihrem Essverhalten. Die Vielzahl an unterschiedlichen Ernährungstheorien führt dazu, dass bei uns Essen häufig verkopft abläuft und dass wir das Vertrauen in unser eigenes Körpergefühl immer mehr verlieren.

Sind drei Mahlzeiten besser als fünf? Sollte ich frühstücken? Was ist die richtige Ernährung um Muskeln aufzubauen? Was ist die richtige Ernährung für mich?

Wir teilen Lebensmittel schnell in gut und schlecht ein und ignorieren die Bedürfnisse des Körpers und unser Bauchgefühl. Neben Hunger beeinflussen uns viele Umweltbedingungen –  z.B. essen wir, weil andere auch essen, weil wir traurig, wütend oder alleine sind, einfach weil etwas da ist oder schlicht aus Langeweile. Eine Möglichkeit für mehr Zufriedenheit, Genuss und eine wiedergewonnene Qualität des Essens stellt das achtsamere Essen dar.

Achtsam essen: Was ist überhaupt Achtsamkeit?

Der Begriff ist dir in letzter Zeit vielleicht schon öfter begegnet. Das Konzept der Achtsamkeit erfährt zurzeit einen regelrechten Boom. In einer Welt, die sich immer schneller zu drehen scheint, sind viele Menschen auf der Suche nach Entschleunigung. Achtsamkeit ist aber keine neue Erfindung, sondern beruht auf einer mehr als 2500 Jahre alten, fernöstlichen Tradition.

Achtsamkeit wird traditionell als Präsenz im gegenwärtigen Moment verstanden, die von einer akzeptierenden, annehmenden und offenen Einstellung den eigenen Erfahrungen gegenüber charakterisiert ist. Ich richte also meine Aufmerksamkeit auf das, was gerade innen und außen passiert:

Was höre ich? Was fühle ich? Und was sehe und rieche ich?

Dabei ist entscheidend, dass wir nicht bewerten, sondern gelassen, freundlich und neugierig gegenüber aktuellen Erfahrungen und uns selbst bleiben.

Wie kann ich Achtsamkeit beim Essen anwenden?

Zunächst einmal bedeutet achtsam essen, sich mit der ganzen Aufmerksamkeit dem Prozess des Essens zu widmen – ohne nebenbei noch etwas anderes zu tun oder Gedanken nachzuhängen. Es geht darum, sich selbst beim Essen wahrzunehmen, ohne zu urteilen.

Wann esse ich? Warum esse ich? Was tut mir gut? Wie und wo merke ich Hunger? Wie und wo merke ich, dass ich satt bin? Wo bin ich mit meinen Gedanken und Gefühlen, wenn ich satt bin?

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Wie lerne ich, mir selbst wieder zu vertrauen und gut zu mir zu sein?

Durch Achtsamkeit beim Essen können wir lernen, unseren Körpersignalen zu vertrauen und unser natürliches Gefühl für Hunger und Sättigung zurückzuerlangen. Lernen, uns so zu akzeptieren, wie wir sind. Lernen, verschiedene Arten des Hungers zu erkennen und entsprechend zu befriedigen. Und auch lernen, sich selbst etwas zu gönnen, ohne sich anschließend zu kritisieren und schlecht zu fühlen. Wir können lernen, uns selbst anzunehmen und auf die Weisheit unseres Körpers zu vertrauen.

Achtsam essen: Wie kann mir Yoga dabei helfen?

Yoga steht in enger Verbindung mit dem Konzept der Achtsamkeit. Während der Yogapraxis geht es darum, im Moment zu bleiben, nicht mit den Gedanken abzuschweifen, die Grenzen des eigenen Körpers kennenzulernen und sanft und nachsichtig mit ihnen umzugehen. Zu akzeptieren, dass der eigene Körper jeden Tag anders ist und in jedem Moment dankbar zu sein, für das, was er mir jetzt anbietet. Yoga erhöht also das eigene Körperbewusstsein und den freundlichen Umgang mit sich selbst. Yoga, als eine Möglichkeit, eine Verbindung zwischen Körper und Geist herzustellen, kann so zu mehr Achtsamkeit beim Essen beitragen.

Zudem geht es auch beim Yoga darum, sich von allen Vorstellungen, Gedanken und beschränkenden Wahrnehmungen (u.a. Ernährungstheorien) frei zu machen. Dieses Konzept von shunyata, oder Leere, bedeutet, dass du ganz zu dir und deinem wahren Selbst kommen willst, frei von allem, was dir durch äußere Einflüsse vorgegeben wurde.

„yogas citta-vrtti-nirodhah.“

„Yoga ist jener innere Zustand, in dem die seelisch-geistigen Vorgänge zur Ruhe kommen.“

– Patanjali, Sutra I.2

Oder: Yoga ist das Zur-Ruhe-Kommen der Gedanken im Geist. Eine regelmäßige Yoga Praxis führt dazu, dass du diese Ruhe der Gedanken auch nach der Yogastunde in deinen Alltag übertragen kannst. Hast du vielleicht auch schon festgestellt, wie anders du die Welt nach einer Yogastunde wahrnimmst? Yoga erhöht also auch deine Achtsamkeit im Alltag.

Studie: Achtsamkeit beim Essen und Yoga

Yoga kann über eine Verbesserung des Körperbewusstseins, der Ablösung von allen Gedanken und dem Zurückkommen zum eigenen wahren Selbst einen positiven Einfluss auf das Essverhalten haben. Auch verschiedene wissenschaftliche Untersuchungen konnten bereits positive Effekte finden.

Ich selbst habe letztes Jahr ein Teacher Training in Indien gemacht und dort sollten wir während aller Mahlzeiten schweigen und achtsam essen – das war ebenfalls eine sehr intensive Erfahrung. Deshalb schreibe ich zurzeit meine Masterarbeit über dieses Thema, um die positiven Effekte von Yoga weiter zu belegen. Dazu führe ich eine Online-Studie durch.

Du hast Interesse, dich mit dir selbst und deinem Essverhalten auseinanderzusetzen? Dann nimm an meinem Fragebogen teil! Bei Teilnahme erhältst du ein kleines Informationsheft mit weiteren Informationen zu Achtsamkeit beim Essen inklusive einiger Übungen. Zudem kannst du einen von fünf Gutscheinen im Wert von jeweils 20 € gewinnen.

Zur Studie „Bewusstes Essen“ >>

 

Vielen Dank für dein Interesse und deine Unterstützung!

Helen

Achtsam essen: Wie Yoga deine Beziehung zum Essen verändern kann

1 Kommentare

  1. Ich finde Deinen Blog sehr bemerkenswert. Beantworten kann ich Deine Frage allerdings nicht. Noch nicht. Noch fehlt mir die Erfahrung, die ich aber noch sammeln möchte. Bisher habe ich erst an einem Yoga Retreat Kurs auf Mallorca teilgenommen. Aber ich bin total fasziniert, und freue mich schon auf den nächsten Kurs

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