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25 Themenideen für deinen Yogaunterricht – Yogalehrer als kreativer Beruf

25 Themenideen für deinen Yogaunterricht - Yogalehrer als kreativer Beruf | In einer Umfrage fragte ich euch, worüber ich als nächstes schreiben soll. Ihr habt für den Vorschlag "Themen für den Yogaunterricht" gestimmt und darüber freue ich mich besonders, da Yoga für mich etwas sehr kreatives ist. Et voilà, dieser Artikel ist für euch!

In einer Umfrage fragte ich euch, worüber ich als nächstes schreiben soll. Ihr habt für den Vorschlag „Themen für den Yogaunterricht“ gestimmt und darüber freue ich mich besonders, da Yoga für mich etwas sehr kreatives ist. Et voilà, dieser Artikel ist für euch!

Yoga ist ein kreativer Akt und Yogalehrer ein kreativer Beruf

Vielleicht kommst du gerade frisch aus der Yogalehrerausbildung und brauchst Inspiration für deine ersten Stunden. Meistens jedoch ist man gerade am Anfang voller Schwung und Ideen und das Loch kommt erst viel später. Nach 7 Jahren Unterrichtserfahrung kann ich ein Lied davon singen, dass einem manchmal die Luft ausgeht und das Gefühl aufkommt, alles schon tausendmal unterrichtet zu haben und langjährige Schüler nicht mehr überraschen zu können.

Mit meinen Themen für den Yogaunterricht möchte ich dir helfen frischen Wind in deine Stunden zu bringen. Aber! Wenn sich selbst neue Ideen wie abgelatschte Schuhe anfühlen, dann gibt es eigentlich nur zwei Ideen. Sie sind so offensichtlich, dass wir sie manchmal vergessen:

  1. Mach mal Urlaub. Das vollbringt Wunder.
  2. Bleib auch Schüler. In Form einer wöchentlichen Yogastunde, einer Weiterbildung oder einer Yogareise.

Die gesamte Yogastunde ist dein Kunstwerk

Denk daran, dass du für eine runde Erfahrung jeden einzelnen Teil deiner Yogastunde an das Thema anpassen kannst. Mach dir nicht nur Gedanken über die Asanas, sondern lass das Thema auch in die Begrüßung, die Atemübungen, die Endentspannung und die Meditation einfließen.

Trotz aller Kreativität ritualisiere den Anfang und das Ende deiner Yogastunden. So schaffst du Vertrautheit für deine Schüler und unterstützt sie dabei in der Yogastunde und bei sich anzukommen.

Dann lass uns loslegen!

25 Themen für den Yogaunterricht

Konzentriere dich auf den Körper

1. Peak Asana

Suche dir eine (schwierige) Asana aus und gestalte die gesamte Stunde drumherum. Vorbereitende Übungen, genaue Erklärung der Peak Asana und nachsorgende Übungen. Du kannst die Peak Asana auch öfter in die Stunde einbauen, um ein Gefühl für die Veränderungen zu schaffen.

2. Asana Familie

Genauso wie bei der Peak Asana kannst du dir hier eine Asana Familie aussuchen. Vorbeugen, Rückbeugen, Seitbeugen, Drehungen, Balanceübungen oder Umkehrhaltungen. Konzentriere dich die gesamte Stunde auf diese Familie und ihre Wirkungen. Baue ausgleichende Übungen ein.

3. Fokus auf einen Körperbereich

Zum Beispiel Schultern, Hüfte, Wirbelsäule oder Füße. Baue eine Yogastunde um dieses Thema herum und lenke die Aufmerksamkeit deiner Schüler immer wieder auf den angesprochenen Körperbereich.

4. Die zwei Körperhälften wahrnehmen

Auch wenn wir es im Alltag kaum merken, unsere beiden Körperhälften sind unterschiedlich lang, kräftig oder dehnbar. Manchmal nehmen wir sie sogar unterschiedlich intensiv war. Leite deine Schüler durch eine Stunde, welche sich auf die Wahrnehmung dieser Unterschiede konzentriert und führe sie zum Schluss elegant zurück zu ihrer Mitte.

Lesetipp: Entschuldigung, weißt du wo entlang es zur inneren Mitte geht? >>

Setze eine Intention

5. Komfortzone verlassen/Raum schaffen

Motiviere deine Schüler ihre Grenzen zu erkennen und sanft auszutesten, ob sie sicher über sie hinausgehen können. Auf den Atem bezogen lenke ihre Aufmerksamkeit auf den weitenden Aspekt der Einatmung und wie sie mit jedem Atemzug neue Räume in ihrem Körper schaffen. So verlassen sie nicht nur ihre Komfortzone, sondern weiten auch ihren Spielraum aus, indem sie sich bewegen können. Ein neues Gefühl von Freiheit und Leichtigkeit entsteht.

6. Sich selbst als eigenen Lehrer erfahren

Halte deine Schüler dazu an, eine Übung nicht einfach nur nachzumachen, sondern genau hineinzuspüren, wie die perfekte Übung für sie aussieht. Zum Beispiel bei Asanas mit Unterstützung durch Blöcke und Kissen oder bei Atemübungen mit einem freien Atemmuster anstatt einem vorgegebenen. Lass die Schüler öfter selbst entscheiden was sie gerade tun möchten (möchtet ihr im Päckchen schaukeln oder still liegen bleiben?) und wie lang sie es tun möchten (verlasst die Asana wenn es euch reicht). Gib deinen Schülern freie Zeit, in der sie praktizieren können, was ihnen jetzt gut tut.

7. Loslassen

Widme die Yogastunde der Entspannung und konzentriere dich vor allem auf Asanas, die den Weg des Loslassens vermitteln. Zum Beispiel Vorbeugen, in die wir durch das Loslassen viel tiefer finden als durch Kraft. Weise immer wieder auf die Zusammenwirkung von Ausatmung und Loslassen hin und praktiziere ein langes Savasana.

8. Dankbarkeit

Lenke die Konzentration der Schüler auf das, was sie können, anstatt auf das, was noch nicht geht. Auf die Dankbarkeit für den Atem, der zuverlässig kommt und geht. Auf die Dankbarkeit für die Zeit, die sie sich selbst geschenkt haben…

9. Kraft/Energie

Baue eine energiereiche Stunde auf, die Wärme im Körper erzeugt. Dabei kannst du nicht nur mit kraftvollen Asanas arbeiten, sondern zum Beispiel auch mit der anregenden Reinigungsübung Kapalabhati.

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Kreiere eine Erfahrung

10. Augen verschließen

Halte deine Schüler dazu an, die gesamte Yogastunde über die Augen geschlossen zu halten und ihren Körper von innen heraus zu erfahren. Der Körper und der Atem werden deutlicher, Gedanken und Emotionen werden präsenter und Vertrauen zur Gruppe wird aufgebaut.

11. In Stille praktizieren

Schaffe ein Gefühl für die Kraft der Stille. Lass die Schüler, die Übungen so still wie möglich praktizieren (z. B. beim Sonnengruß). Auch der Atem kann tief und trotzdem still fließen. Besonders passend finde ich hier Brahmari als Atemübung, welche zwar zunächst laut ist, mit der richtigen Anweisung aber in die Stille danach führt.

12. Atem und Bewegung verbinden

Leite deine Schüler durch Vinyasas, also Bewegungen, die an die Atmung angepasst sind. Wenn eine Asana gehalten wird, lenke den Fokus deiner Schüler trotzdem auf die tiefe Atmung, die den Körper in Bewegung versetzt. Die zunächst statische Haltung kann erkannt werden als eine Haltung, die sich mit jedem Atemzug verändert und anpasst.

13. Einheit

Du kannst in deinen Yogastunden auch ein Gefühl für die Einheit der gesamten Gruppe schaffen. Zum Beispiel durch gemeinsame Sonnengrüße oder Partnerübungen, Mantrensingen und das gleichzeitige Ausatmen bei Kapalabhati.

Lesetipp: Anusara Yoga mit Vilas Turske: 10 wertvolle Tipps für Yogalehrer aller Stile >>

Mach ein philosophisches Konzept erfahrbar

14. Chakren

Konzentriere dich pro Stunde auf ein Chakra oder leite in einer Stunde der Reihe nach durch alle Chakren. Setze dafür Asanas, Pranayama, Mantrenrezitation und Meditation ein.

Lesetipp: Der große Chakra-Guide >>

15. Gunas

Widme je eine Stunde einem Guna. Für Tamas kannst du dich zum Beispiel auf erdende, entspannende Übungen konzentrieren, für Rajas auf energiereiche, kraftvolle und für Sattva auf meditative.

16. Sutren

Die Sutren des Patanjali bieten uns einige Inspirationen für unsere Yogastunden. Hier mein liebstes Beispiel:

„sthira-sukham-asanam.“

„Die Sitzhaltung soll fest und angenehm sein.“

Patanjali, Sutra II.46

Von Patanjali ursprünglich auf die Sitzhaltung bezogen, kann dieses Sutra auf jede Asana angewendet werden und vermittelt ein Gleichgewicht zwischen den beiden Gegensätzen Festigkeit und Beweglichkeit, Schwere und Leichtigkeit, Entspannung und Aktivität. Erinnere deine Schüler daran, mit jeder Einatmung die Leichtigkeit zu spüren und sich aufzurichten und mit jeder Ausatmung der Schwerkraft nachzugeben, loszulassen und sich zu erden. Leite an, jede Haltung mit so viel Anspannung wie nötig und so wenig wie möglich einzunehmen. Schaffe also ein Bewusstsein für die Wichtigkeit beider Qualitäten: Erdung und Aufrichtung.

Lesetipp: Patanjali wusste es schon: Wie du eine runde Yogastunde unterrichtest >>

Orientiere dich an äußeren Umständen

17. Jahreszeiten

Der Frühling eignet sich dazu, den Körper von innen heraus zu reinigen. Im Sommer kannst du deinen Schülern mit kühlenden Übungen, wie Shitali, etwas Gutes tun. Der Herbst lädt zur Inneneinkehr und Dankbarkeit ein. Und im Winter kannst du deinen Schülern ruhig mal ein bisschen Wärme unterm Hintern machen.

18. Tageszeiten

Wecke deine Schüler morgens mit Kraft und Energie auf. Hier hin passen gut aktivierende Übungen, wie Standhaltungen und Rückbeugen, sowie die Kriyas, die am besten auf leeren Magen praktiziert werden. Abends kannst du ruhiger werden. Vorbeugen, Umkehrhaltungen und Atemübungen führen in die Stille. Auch eine kleine Meditation passt hier wunderbar. Grundsätzlich beginne ich morgens ruhig und werde immer energievoller und abends finde ich von der Energie langsam in die Stille.

19. Mondphasen

Es gibt Yogastile, welche an Voll- und Neumondtagen nicht praktizieren, da hier die Verletzungsgefahr höher sein soll. Du musst deinen Unterricht an diesen Tagen nicht ganz streichen. Aber eine gute Idee finde ich, an solchen Tagen zu einer ruhigeren Praxis überzugehen. Übe wie beim Yin Yoga mit viel Unterstützung oder lege den Fokus mehr auf Atem und Meditation. So kannst du dir kraftvolle Körperübungen und Experimente für die Zeiten dazwischen aufsparen.

Öffne für alle Aspekte des Yoga

20. Mudras

Mudras sind Gesten, die Energie lenken und verschließen. Unter den Mudras gibt es spannende Körper und Handhaltungen. Warum ihnen nicht mal eine ganze Stunde widmen und Prana damit erfahrbar machen. Zu den drei bekanntesten Mudras gehören übrigens auch die drei Bandhas:

21. Bandhas

Mula Bandha, Uddhiyana Bandha und Jalandhara Bandha sind nicht nur Instrumente, die unsere Energie während der Atemübungen steuern, sondern sie schaffen auch innere Sicherheit während der Asanas und schützen unsere Wirbelsäule. Widme jedem Bandha eine Stunde.

22. Kriyas

Die bekannten Reinigungsübungen werden oft ziemlich vernachlässigt. Kapalabhati, Agnisara oder Tadaghi Mudra kannst du wunderbar morgens unterrichten, wenn der Magen noch leer ist. Trataka ist eine meditative Übung, die schön am Abend passt. Und wenn du viel Zeit und freien Raum hast (z. B. während einer Yogareise) sind sogar Übungen wie Jala Neti oder die Zungenreinigung für die Schüler sehr spannend.

23. Pranayama

Tief atmen und schnell ein paar Mal links ein, rechts aus – damit hat man die traditionellen Atemübungen oft in 5 Minuten abgefrühstückt. Dabei wirken sie so tief. Konzentriere dich doch mal eine Yogastunde lang auf Pranayama. Erkläre, warum wir sie praktizieren, öffne die Atemwege und den Brustkorb mit Asanas und lasse den Schülern viel Zeit Übungen, wie Nadi Shodhana, Kapalabhati oder Ujjayi zu erfahren.

24. Meditation

Die Angst davor Meditation zu unterrichten ist oft groß, da es die Schüler langweilen könnte. Damit nehmen wir ihnen aber eine ganz wichtige Erfahrung des Yoga. Natürlich lässt du sie nicht 90 Minuten lang sitzen. Aber eine hüftöffnende Körperpraxis, die auf den Sitz vorbereitet, mit einer folgenden 10-minütigen Meditation inspiriert den ein oder anderen bestimmt dazu, mehr erfahren zu wollen. Es gibt so viele unterschiedliche Meditationen, jede einzelne ist eine Themenstunde wert. Oder unterrichte eine Stunde Yoga Nidra und bringe deinen Schülern so die Erfahrung der langen Meditation im Liegen sanft nah.

Lerne das Konzept loszulassen

Bei all der Planung und Kreativität finde ich besonders wichtig, die Spontanität nicht zu verlieren. Stell dir vor, du hast eine wundervoll energievolle Stunde aufgebaut hast, die Hitze erzeugen und anregend auf das Manipura Chakra wirken soll. Nun kommst du an einem plötzlich sehr heißen Frühlingstag in die Stunde, deine Schüler sind noch ganz fröhlich und aufgeladen vom Tag in der Sonne und vor allem… genug aufgeheizt. Hier solltest du spontan sein und auf die neuen Bedürfnisse der Gruppe eingehen können. In diesem Fall mit kühlenden und entspannenden Übungen. Das ist so viel wichtiger als sich krampfhaft an einem großartigen Konzept festzuhalten.

Darum jetzt mein letzter und liebster Tipp, der besonders etwas für Lehrer ist, die schon Unterrichtserfahrung gesammelt haben und sich sicher fühlen:

25. Sei kreativ und frei

Sei mutig und gestalte eine Yogastunde ganz ohne sie vorher zu planen. Komm ohne Plan und lass dich voll und ganz auf die Gruppe ein. Fühle ihre Stimmung und Schwingung und lass dich intuitiv leiten. Du wirst überrascht sein. Heraus kommen oft wunderbare Yogastunden.

Lesetipp: Easy & schnell deine Yogastunde vorbereiten: Das Geheimnis + 4 Tricks

 

Ich hoffe diese Liste war dir eine kleine Inspiration. Sie ist natürlich unendlich erweiterbar. Hast du noch Ideen, die du mit uns teilen möchtest? Schreibe sie gerne in die Kommentare. Und hab ganz viel Spaß bei deiner nächsten Yogastunde!

Deine Betty

25 Themenideen für deinen Yogaunterricht - Yogalehrer als kreativer Beruf | In einer Umfrage fragte ich euch, worüber ich als nächstes schreiben soll. Ihr habt für den Vorschlag
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Hi, ich bin Betty, Yogalehrerin, Bloggerin, Reiseleiterin und die Gründerin von Oh My Yogi. Im Jahr 2000 entdeckte ich Yoga für mich und stand meine halbe Jugend lang auf dem Kopf, bevor ich elf Jahre später begann von meiner Leidenschaft zu leben und mich in die Freiheit der Selbstständigkeit zu verlieben. Hier zeige ich dir, wie du Yoga mit Herz lebst und authentisch unterrichtest. Frei und spirituell, geerdet und echt - ganz so, wie es dich glücklich macht.

4 Kommentare

  1. Dieser Artikel kam zur richtigen Zeit. Ich habe gerade das Gefühl, ideenlos zu sein, auf der Stelle tretend. Ich konnte inspirierende Gedanken finden, die ich mit Sicherheit umsetzen werde.
    Vielen lieben Dank dafür.

  2. Nina sagt

    Liebe Betty,
    vielen lieben Dank für diese tolle Inspiration! Es waren einige Ideen dabei die ich in meinen nächsten Stunden versuche umzusetzen. Oft lässt man sich so sehr ablenken statt auf sein Bauchgefühl zu hören. Wie du es auch schreibst: intuitiv unterrichten hat soviel Freiheit in sich – sich selbst vertrauen & zu trauen ;) und dann das was man spürt an die Schüler weiter geben ist so wunderbar. Danke dir und ich freue mich auf viele weitere Artikel von dir <3

  3. Eliana Moreira Frittrang sagt

    Liebe Betty,
    nicht immer finde ich Zeit hier in deinem tollen und einflussreichen Blog hineinzulesen.
    Aber dann wenn ich es tue, es ist für mich – eine frische gebackene Yogalehrerin, die furchtbar Angst hatte zu unterrichten :/ Denn ich fühlte mich soooo alleine und wusste nicht soooo genau wie ich mich da auffangen sollte. Und zwar genau wegen diesen Titel-Themen von Dir, die wie aus dem Himmel auf meinen Schoss fiel !!!
    Ganz lieben Dank für Deine Mühe und tollen Blog. Ich bin mir Sicher, Du unterstützt sehr viele Yoga-Lehrer(innen) da draußen :D

    • Hallo Eliana,

      wir Yogalehrer sind viele :-) Und viele haben mit den gleichen Herausforderungen zu kämpfen. Hier möchte ich eine Plattform zum Informieren und Austauschen schaffen – es freut mich, dass dir der Blog gefällt und weiterhilft.

      Danke!
      Betty

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